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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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52 Die erzählende Dichtung

Bedürfnis, das bekennt er im Prolog. Zugleich will er aber auch hier belehren:an den unerhörten Abenteuern des alten Buches von Troye sollen sich die-jenigen ein Beispiel nehmen, die züht und ere lieben (282-89) }

Konrad ist sich selbst der Ungeheuern Arbeit, die er unternommen hat, be-wußt; er vergleicht diz moere, diese Geschichte, mit einem endlosen Fluß,darin wohl ein Berg versinken könnte (212 ff.). Seine Aufmerksamkeit aufden Stoff lenkte ein freigebiger Gönner, der werde singer (senger) Dietrich vonBasel an dem Orte (244-57) ; 2 den eigenen Namen nennt er V. 266.

Die Fortsetzung, 3 etwa 9400 Verse, steht stilistisch bedeutend hinterKonrads Anteil zurück; der Stil ist unbeholfen; die Schilderungen sind nichtso breit ausgedehnt; im Versbau wird Konrad nachgeahmt. Als Quelle derDichtung liegt Dictys mit Beiziehung von Dares zugrunde.

Die stärksten Wirkungen, welche die Literatur des Altertums auf die desMittelalters ausübte, gingen von der Alexander- und der Trojanersage aus;in diesen fand man die Verkörperung von Strebungen, die dem Geiste dereigenen Zeit entsprachen: dort die Macht der heldenhaften Persönlichkeit,hier Heldentum und Minne vereinigt. So folgte den Trojadichtungen des13. Jahrhunderts, des Herbort v. Fritzlar und des Konrad v. Würzburg, imabsteigenden Mittelalter eine ganze Anzahl prosaischer Bearbeitungen,auch in Deutschland, 4 jedoch nur noch eine in Versen: Der GöttweigerTrojanerkrieg. 5 Der Verfasser aus der Zeit um 1300, ein ganz unselbstän-diger, von Konrad v. Würzburg und von Wolfram beeinflußter Epigone, ent-faltet in unbeholfener Darstellung einen großen höfischen Apparat, für dener die Artus- und die Dietrichsage plündert. Er gibt sich an vielen Stellen fürWolfram aus, an andern wieder redet er von diesem als von einer andern,mit ihm, dem Verfasser, nicht identischen Person (25156 V.). 6 Drei späteremhd. Prosabearbeitungen des Trojanischen Krieges sind: die von HansMair, die von Heinrich v. Braunschweig und ein namenloses Buch; und außer-dem gibt es eine hierher gehörige mittelniederdeutsche Prosa, s. LG. II,2, 98 Goedeke, Grundr. I 1 , 372. 7

1 Vietor, Beitr. 46, 100. GRM. 16, 486, Basler, DLz. 1928, 1064 f.,

2 Dietrich am Orte, aus Basler Stadtadel, oft Behaghel, Lbl. 1929, 172 f., Piquet, Rev.urkundl., bekleidete das Amt des Dom- germ. 18, 1927,153 f., Stammler, ZfDtschkdekantors, Schröder, Stud. IV, 108 f. (tum- 1928, 814; K. Langosch, Die Sprache desherre a. 1278, Haupt, ZfdA. 7, 169). Göttweig. Trojanerkrieges, Berl. Diss. 1932 u.

3 G. Klitscher, Die Forts, zu K.s v. W. Pal. 187, 1933; Klapper, Stammlers Ver-Trojanerkrieg u. ihr Verhältnis zum Original, fasserlex. Lichtenberg, Architekturdarst.Bresl. Diss. 1891; M. Sigall, K. v. W. u. der S. 93 f. 108 f. Hs. im BenediktinerstiftFortsetzer seines Tr., Progr. Suczawa 1893; Göttweig in Niederösterreich, Koppitz S.Vff.;Laudan S. 134; Schirokauer, Beitr. 47 Basler, Festschr. Sievers 1925, 8 ff.

S. 125. 6 Koppitz, Reg. S. 439 f.; Wilhelm, Beitr.

4 Siehe dieselben LG. II, 2, 98 u. Anm. 4 (da- 13, 335.

selbst ist Rud. v. Ems zu streichen, er hat 7 Das Volksbuch von Trojas Zerstörung

keinen Trojanerkrieg verfaßt, wie seit Lach- (s. unter Volksbücher) schließt sich an Hans

mann vielfach angenommen wurde, s. Baech- Mairs Trojabuch an, Heinz Kindermann,

told S. 115 f. u. Anm.). Volksbücher vom sterbenden Rittertum I,

5 Ausg.: Alfred Koppitz, Dt. Texte des 1928, S. XVII ff. u. 1-22.MA.s Bd. 29, 1926, dazu F. R. Schröder,