Konrad von Wükzburg 51
gehen, abgesehen von Konrads Gedicht, englische, französische und nordischeBearbeitungen aus, sowie eine niederländische und eine mittelfränkische.Konrad hatte keinen Überblick über den in dem französischen Gedichte ge-botenen Stoff, da er partienweise seiner Vorlage folgte, und hat es darumauch nicht verstanden, die Fälle übersichtlich und einheitlich zu gruppieren.Bescnders durch seine willkürlichen Erweiterungen und Ausmalungensprengte er das Gefüge; er hat die etwa 11000 Verse des französischen Originalsauf 21784 Verse gebracht. 1 Wertvoll ist seine Einleitung wegen der Entwick-lung seiner Kunsttheorie (s. oben).
Im Vorwort (168-225), wo er auch seinen Namen nennt, preist er denVeranlasser, Herrn Peter den Schaler in Basel, und stattet seinen Dank aban Heinrich Marschant, der ihm das französische Buch ins Deutsche über-setzte, und an Arnold den Fuchs für die anspornende Teilnahme, die ihmdieser bei der Arbeit erwiesen hatte. 2
XIII. Konrads letztes Werk ist der Trojanerkrieg. 3 Er ist vorzeitig mitV. 40424 abgebrochen; der Dichter wird wohl darüber gestorben sein. Einnicht ebenbürtiger Fortsetzer hat es dann zu Ende geführt (bis V. 49836).
Die Erzählung beginnt mit dem Traum der Hekuba, es folgen die Geburtdes Paris und des Achilles, die Geschichte von Iason und Medea, der erstetrojanische Krieg unter der Beihilfe von Herkules, der Raub der Helenadurch Paris; nach dieser Vorgeschichte beginnt der Bericht die Rüstungenzum Krieg von Troye (23495), der von Konrad bis zur vierten Schlachtweitergeführt wird.
Als Vorlage benutzte er den Roman de Troie des Benoit de Ste. More, 4wozu er noch einige lateinische Quellen beizog (Ovid, Statius). 5 Die gewaltigeAusdehnung des Werkes hat er durch seine bekannte Erweiterungsmethodebewirkt, zu der besonders die Schlachtschilderungen und die MinnegesprächeGelegenheit boten. Zumal die ausgedehnten Liebesszenen sind bezeichnendfür die mittelalterliche Romantisierung des antiken Stoffes. 6 Aber nicht bloßhemmungslose Redseligkeit hat ihm diese Wortflut eingegeben, sondern sieentsprang aus seiner Freude am Dichten. Versemachen ist ihm einfach ein
II, 1904, Nr. 3; mnld. Bruchstücke hgb. Bor- 335-38; Hans Wegener, Miniaturen-Hss. der
mans, Brüssel 1871. Preuß. Staatsbibl. 1928,32-35.
1 Vergleichung von Konrads Gedicht mit der 4 Clemens Fischer, Der afrz. Roman desfrz. Vorlage: Kölbing aaO. S. 76-98; Heinr. Troie von Ben.de Ste.More als Vorbild für dievan Look, Der Parton. K.s v. W. u. der mhd. Trojadichtungen des Herbort v. Fritz-Parton. de Blois, Straßb. Diss. 1881, dazu laru. des K. v. W., Münster. Diss. 1883; KarlSchröder, DLz. 1881, 1831 f., Joseph, Klage Basler, K.s v. W. „Troj. Krieg" u. Ben. deder Kunst S. 21 Anm. Ste.More „Rom. de Troie", Berl.Diss. 1910,
2 Pfeiffer, Germ. 12, 18 ff.; Schröder, dazu Salverda de Grave, Arch. 126,465-68;Stud. IV, 104-08; Andre Moret s. oben. Klapper, Stammlers Verfasserlex. 1, 325.
3 Ausg.: Adelbert v. Kellee, LitVer. 44, 5 V. 296-307. Dares hat die Geschichte grie-1858; den kritischen Apparat hat Bartsch chisch erzählt, von da wurde sie ins Lat. undgegeben: Anmerkungen zu K.s Trojanerkr., Wälsche (Franz.) gebracht.
LitVer. 133, 1877. — 10 Hss., 8 Bruchst.: 6 Z. B. Oenone 706-812 (aus Ovids Heroiden),Bartsch, Anm. S. I-XXX, Germ. 27, 127. s. Johannes Schmidt, Beitr. 3, 177.356-58; Zuchhold, Schles. Monatshefte 3,
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