48 Die erzählende Dichtung
Die Nachwirkungen der „Goldenen Schmiede" lassen sich bis ins 14.und 15. Jahrhundert verfolgen. 1 Eine unmittelbare Nachahmung, ja Steige-rung des deutschen Hymnus, stellt eine lateinische Mariendichtung desFranco von Meschede vor (1330), die Aurea Fabrica, 2 dar.
XI. Zu großen epischen Dichtungen hat Konrad erst in der späteren Zeitseines Schaffens Muße gefunden. Der Engelhard 3 hält sich noch in mäßigenGrenzen (6504 V.), doch wurde schon der Prolog auf eine breitere Stoffentfal-tung zugeschnitten (V. 1-216); der Anfang (V. 1-88) ist in elf achtzeiligen,künstlich mit Schlagreimen versehenen Strophen gedichtet. Das Werk stellteinen Preis der leider in der Gegenwart in Mißachtung gekommenen Treuedar; deshalb will der Dichter eine mcere von hohen triuwen als heilbringendesBeispiel erneuern. Hier und am Schluß gibt er Bericht über die Herkunft desStoffes: er hat ihn aus dem Lateinischen entnommen. 4 Beide Male nennt erauch seinen Namen (208 ff. 6491 ff.). Da kein Gönner angegeben ist, scheintKonrad hier aus eigenem Antrieb seine Dichtergabe eingesetzt zu haben. 5
Engelhard, Sohn eines burgundischen Adeligen, zieht aus, bei dem KönigFruote von Dänemark Dienste zu suchen. Unterwegs gewinnt er einen Reise-gefährten, Dietrich, Sohn des Herzogs von Brabant. Am Hofe zu Dänemarkwerden beide, die einander täuschend ähnlich sehen, freundlich aufgenommen.Minne ergreift Engelhard und Engeltrut, die Tochter des Königs. Bei einemnächtlichen Stelldichein im Garten werden sie von Ritschier, einem Ver-wandten des Königshauses, beobachtet und Engelhard wird darauf bei demKönig verklagt. Er leugnet und ein Zweikampf soll als Gottesgericht ent-scheiden. Dietrich, unterdessen Nachfolger seines Vaters in Brabant ge-worden, übernimmt, ohne erkannt zu werden, die Stelle des schuldigen Engel-hard und durch seinen Sieg ist dessen Schuldlosigkeit erwiesen. Engelhartwird mit Engeltrut vereinigt, doch dann wird ihm die Freundschaftsprobeauferlegt (5135). Dietrich, der vom Aussatz befallen worden ist, kann nurdurch das Blut unschuldiger Kinder genesen. In seinem Elend sucht er eineStätte bei Engelhard, und dieser bringt gegen den Willen Dietrichs das un-geheure Opfer, seinen beiden Knaben zum besten des Freundes den Hals zudurchschneiden. Durch ihr Blut wird Dietrich auch wirklich gesund. Die Kin-der aber findet man unverletzt und munter spielend in ihrem Bettchen. Gotthat das Wunder geschehen lassen zum Zeichen dessen, daß er Treue anerkennt.
1 Hugo v. Langenstein, Suchenwirt, Muskat- kritik: Piper S. 242 (Lit.); Joseph S. 309-14blüt, Heinr. v. Laufenberg und eine Reihe von (s. S. XVI); Gereke, Ausg. S. III f., Beitr.Mariendichtungen: W. Grimm S. XIX-XXI; 37, 213-24. 38, 501 ff.; Georg Wolff, Fest-H.-Fr. Rosenfelds Beitr. 53, 419. 431; auch sehr, für Ernst Kuhn, 1916; Helm, Beitr. 47,in dem Laßbergschen Liebesbriefsteller: Ernst 155 f.; Schröder, Stud. II, 20-33. — Nur inMeyer, Die gereimten Liebesbriefe S. 32-37. einem alten Drucke (Frankf. a.M. 1573) erhal-
2 Leyser, ZfdA. 2, 168-76; Schröder, Gott, ten: Haupt, Ausg. S.V-VII; Gereke, Ausg.Nachr. 1927, 119-29, ZfdA. 64, 266. S. III.
3 Ausg.: Haupt 1844, 2. Aufl. von Eugen 4 Benutzung von Chrestiens Cliges: Herzog,Joseph 1890, Besprechungen s. Gereke, Germ. 31, 325 f.
Ausg. S. IV; P. Gereke, Ad. Textbibl. Nr. 17, 6 Schröder, Stud. IV, 113.1912, dazu Schröder, Anz. 38, 171 f. —Text-