Konrad von Würzburg 47
Die Legende stammt aus dem Orient, Nicomedia ist der Schauplatz in derlateinischen Überlieferung.
Am Schluß der Handschrift, aus der einige Blätter herausgeschnitten sind(erhalten sind 2158 Verse), wird gesagt, daß diese Wunder aus dem Lateini-schen übersetzt 1 wurden auf Veranlassung des Johannes v. Arguel. 2
Die drei Heiligen, die Konrad verherrlicht hat, stellen drei Typen christ-licher Frömmigkeit dar: Alexius ist der Asket, der sich allem Menschlichenverschließt, soweit es nicht seinem Persönlichen Seelenheil dient; Pantaleon,der Märtyrer, ist durch seine soziale Barmherzigkeit der Erlöser der Leiden-den ; Silvester, der heilige Papst, ist der Befreier der gesamten Christenheitvom Heidentum (diu Kristenheit in alle wis wart von im erlceset, Silv. 66).
X. Durch ihren Gehalt, als geistliche Dichtung, steht den Legenden dieGoldene Schmiede 3 am nächsten. Sie ist ein Marienhymnus und stimmtauch in der Ausdrucksweise, in dem pathetischen Stil, dem „schwerenSchmuck", mit dem religiösen Leich Konrads überein, ein überschwänglicherPreisgesang voll von süßen Worten, gekünstelten Reimen, unerschöpflicherFülle von Bildern. Derartige Sinnbilder, Gleichnisse und Epitheta der Gottes-mutter 4 sind in der Marienliteratur des Mittelalters heimisch gewesen undaus diesem allgemeinen Vorrat hat sie Konrad entnommen. Auf der blühen-den Sprache beruht auch die ungemeine Wirkung des Gedichtes auf dieZeitgenossen 5 und die Nachwelt; es ist das verbreitetste unter KonradsWerken.
In der Einleitung stellt sich der Dichter als Schmied dar, der in seines Her-zens Schmiede der Himmelkaiserin ein Geschmeide aus Gold und Edel-steinen verfertigt. 6 Aus Autorenbescheidenheit ordnet er sich Gotfrid unter,der als ein kunstvoller houbetsmit den Preis der Jungfrau besser gesungenhabe (94 ff.). 7 An dieser Stelle nennt er auch seinen Namen (120 f.). Später(V. 890), sagt er, im Einklang mit der religiösen Grundstimmung des Ge-dichtes, in geistlicher Demutsformel von sich: ich tumber Cuonrät.
1 Lat. Quelle: Janson aaO.; Gereke S.Vf. 5 Vgl. die Notiz in den Kolmarer Annalen
2 Aus angesehenem Basler Geschlecht, ur- oben.
kundl. 1277-1311: Schröder, Stud. IV, 102- 6 Das Bild entlehnen Bruder Eberhard
04. — In der Hs. steht der Name Konrads als v. Sax, Frauenlob, der Dichter des Lohengrin:
des Verfassers nicht, er befand sich entweder Schwietering, Demutsformel S. 56. — Der
in dem verlorenen Schlüsse oder in V. 2154, Titel „Goldene Schmiede" ist nicht von Kon-
der dann in der Hs. entstellt wäre; Lachmann, rad selbst gegeben, muß aber früh im Gebrauch
ZfdA. 6, 580; Pfeiffer, Germ. 12, 26 Anm.; gewesen sein, denn er findet sich schon in
Laudan aaO.; Schröder, Stud. IV, 117. der Würzb. Hs. des Michael de Leone von
3 Ausg.: W. Grimm 1840; Schröder 1926, 1350 (W. Grimm, Ausg. S. 86; daz goldin lop,dazu Günther Müller, Lit. Handweiser 62, Hs. C), und die Aurea fabrica setzt ihn vor-937 f., Maurer, Teuthonista 4,70 f., Schölte, aus („Goldenes Geschmeide" wäre passender:Mus. 34, 269 f., Piquet, Rev. germ. 17, 1926, Schröder, Stud. I S. XI, Gott. Nachr. 1927,496. Ältere Abdrücke: W. Grimm, Ad. Wäl- 119. 125).
der 2, 1815, 193-288 u. Sonderabdr. 1816. — 7 Pfeiffer, Germ. 3, 77 f.; Schröder, Stud.
24 Hss.: W. Grimm, Einl. S. III— VI; Schrö- IV, 114 ff. stellt die ansprechende Vermutung
der S. 86-88. auf, das Gedicht stehe im Zusammenhang mit
4 W. Grimm, Einl. S. XXII-LIII; s. LG. II, dem Bau des Straßburger Münsters von „Un-1, 208-10 mit Lit. serer lieben Frau", um 1277.