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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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46 Die erzählende Dichtung

Alexius, Sohn vornehmer Eltern in Rom, wird mit einer hochgeborenenJungfrau verlobt, aber die Gottesminne entzündet ihn, er verläßt die Braut,fährt ins Morgenland und lebt dort zehn Jahre in Marter und Elend. Aufeiner Seefahrt wiederum nach Rom verschlagen, lebt er im Hause seinesVaters, in einem Winkel unter der Treppe, als Bettler, ohne daß ihn seineEltern und seine Braut wiedererkennen. Als er stirbt, findet man einen Briefin seinen Händen, welcher alles offenbart. Vater, Mutter und Braut verzehrensich vor Jammer, aber an der Bahre des Heiligen geschehen Wunder an Blin-den und Krüppeln.

Über die Entstehung des Gedichtes (1412 V.) berichtet das Schlußwort(1388-1408): Konrad hat es aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragen(auch V. 19 f.), um zweier Bürger von Basel willen; diese waren Johannesv. Bermeswil und Heinrich Isenlin. 1 Auch in diesem religiösen Werke sprichter von sich in der Demutsformel, nennt sich einen tumben man und armerKuonrät von Wirzeburc (1395. 1406 f.). Die Übersetzung ist sehr unselbstän-dig; die Entstehungszeit haben wir vor 1275 anzusetzen.

Wie die Legende von Silvester, so gehört auch die von Alexius zu den be-liebtesten Heiligengeschichten des Mittelalters. Sie ist aus einer syrischenVita des Heiligen entstanden, gelangte in die griechisch-byzantinische Lite-ratur und dann in die lateinische, von der aus sie sich in viele abendländischeSprachen fortpflanzte. 2

IX. Die dritte und der Abfassungszeit nach späteste Legende Konrads,Pantaleon, 3 bedeutet den beiden vorhergehenden gegenüber einen großenFortschritt; Konrad hat hier selbständiger gearbeitet, seine Darstellungs-kunst ist sicherer, die Metrik sorgfältiger. Das Gedicht gehört in die Höhe-zeit seines Schaffens.

Pantaleon, der Sohn eines vornehmen Senators in Rom, erlernt die Arznei-kunde, wird aber durch einen alten Priester für das Christentum gewonnenund vollbringt wunderbare Heilungen; viele Heiden lassen sich unter seinemEinfluß taufen. Der Kaiser Maximilian läßt die grausamsten Martern an ihmvollziehen, die er alle standhaft erträgt; endlich wird er enthauptet.Pantaleon, der jugendliche Arzt, ist einer der vierzehn Nothelfer und derPatron der Ärzte.

Haupt, ZfdA. 4, 400; Pfeiffer, Germ. 12, 57ff.; Henczynski S. 18-21; Janson aaO.;

41-48; Schröder, Stud. IV, 101 f.; Gereke, Gereke S.Vf.; bes. M. F. Blau, Germ. 33,

Beitr. 38, 519 ff. 3 Hss.: Henczynski S.8; 181-219. 34, 156-87; M. Rösler, Die Fassun-

Janson (s. oben) S.8 ff.; Gereke S.VIII- gen der Alexiusleg. mit bes. Berücksichtig, der

XII. mittelengl. Versionen, 1905.

1 Beide urkundl.: Schröder, Stud. IV, 101 f. 3 Ausg.: Haupt, ZfdA. 6, 193-253. 580;

2 Lit. über die Geschichte u. die Fassungen Gereke, Legenden III, Ad. Textbibl. 21,der Sage: Massmanns Ausg., wozu Nachträge 1927, dazu Schröder, Anz. 46, 118, Stamm-von Bartsch, Germ. 4, 463, Schönbach, ler, ZfDtschkde 1928, 814; C. A. Williams,ZfdA. 18, 82-89; zu den acht von Massmann Journ. of Engl, and Germ. Phil. 28, Aprilbesprochenen deutschen Bearbeitungen kommt 1929. Stellen: Paul, Beitr. 1, 208; Schrö-noch eine neunte: Toischer, ZfdA. 28, 67-72. der, ZfdA. 48,548; Gereke, Beitr. 37,432-37.Verzeichnis der Fassungen ferner bei: Piper, 38, 525-29. Laudan, Auftakt, ZfdA. 48,Höf. Ep. 3, 267 u. Geistl. Dicht, des MA.s 2, 533-48. 1 Hs.: Gereke S.VII, Laudan aaO.