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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Konrad von Würzburg 45

tumben Cuonräden von Wirzeburc;er hat das Werk (5222 V.) auf Veranlassungdes Herrn Liutold von Roetenlein aus dem Lateinischen in tiusch getihte ge-bracht (V. 80-100. 52 ll). 1

Die Legende vom Papst Silvester hat eine bedeutende historische Grund-lage, nämlich die Erhebung des Christentums zur römischen Staatsreligiondurch den Kaiser Konstantin, und war in den mittelalterlichen Literaturenweit verbreitet. 2 Konrad schließt sich genau an seine lateinische Vorlage an:Silvester verbringt seine Jugend in Rom, dann wird er Papst (521) und be-freit die Stadt von einem Drachen (661). Darauf wird der Kaiser Konstantinvom Aussatz befallen; als Heilmittel wissen die römischen Ärzte nichts an-deres als ein Bad mit dem Blute tausender unschuldiger Kinder, doch dieKlagen der Mütter erwecken das menschliche Mitleid in der Brust des Kaisers,er verschmäht es, um einen solchen Preis zu gesunden (944), und der PapstSilvester reinigt ihn statt dessen durch das Bad der Taufe (1862). Der II. Teil(2415-5181) ist eine Apologie des Christentums. Des Kaisers Mutter Helenaneigt dem jüdischen Glauben zu, und um eine Entscheidung herbeizuführen,veranstaltet Konstantin eine Disputation zwischen Silvester und zwölf jüdi-schen Gelehrten. Der Papst widerlegt die Angriffe der Juden, den Ausschlagaber gibt ein Wunder: der letzte jüdische Meister tötet einen wilden Stierdurch den Namen des jüdischen Gottes, Silvester aber erweckt ihn durch dieAnrufung Christi wieder zum Leben.

Im Vorwort kündigt auch hier Konrad den Zweck seines Gedichtes an: essoll ein nützliches Beispiel geben, auf daß man Gott um so eifriger diene. Aberdas Gedicht bringt noch eine andere, eine hohe menschliche Weisheit, dieKonrad schon in der lateinischen Quelle vorgefunden hat: die wahre Größeund den größten Sieg erlangt nur, wer über sich selbst Herr (1116 ff.) undein Knecht der Barmherzigkeit wird (1158 ff.).

VIII. Der gleichen lehrhaften Absicht dient laut Prolog (V. 1-56) derheilige Alexius; 3 das Beispiel dieses enthaltsamen Jünglings soll nützenund bessern.

(mit Lit.), dazu Schröder, Anz. 44, 125-32, Prochnow, Mhd. Silvesterlegenden u. ihre

Zeeman, Neophil. 14 H. 1, Piquet, Rev. Quellen, Marb. Diss. 1901 (s. auch ZfdPh. 33,

germ. 1926, 396 f., Stammler, ZfDtschkde 145-212); Gereke S.Vf.; die gesamte Lit.

1927, 61 u. ferner JB. 1926/27 S. 314. Zum über die Legende: W. Levison, Miscellanea

Text: Schröder, Stud. I, 3-20; Gereke, Fr. Ehrle II, 159-247, Roma 1924, dazu

Beitr. 38, 501 ff. Nur eine, aber vortreffl. Schröder, Anz. 44, 197 f. Silvester und

Hs. (13. Jh.), Gereke S. IX (mit Lit.). der Drache: Burdach, Ackermann S.241 f.

1 Leutold v. Roeteln, Domherr, später Dom- 3 Ausg.: Massmann, S. Alexius' Leben inprobst in Basel, urkundl. 1241 ff.; Schröder, acht gereimten mhd. Behandlungen usw.Stud. IV, 97-101 u. ZfdA. 67, 47 f. 1843; Haupt, ZfdA. 3, 534-76; Rich. Hen-

2 Die Erst quelle ist lat., in Rom entstanden, czynski 1898, dazu Schröder, Anz. 25, 362-davon eine Reihe lat. Bearbeitungen, davon 70, Rosenhagen, ZfdPh. 31, 560-62, Khull,die mhd. abstammen: 1. Kehr. 7806-10633 ZföG. 50, 905 f., Jansen, Journ. of Germ,(s. LG. II, 1, 273); 2. Trierer Silvester (LG. Phil. III, 511-14; Margarete Rösler, Dieebda S. 152 f.); 3. Im dt. Passional (s. unten); Fassungen der Alexiusleg. 1905; Gereke, Le-

4. in Hermanns v. Fritzlar Der Heiligen Le- genden II, dazu Schröder, Anz. 45, 97-99,ben (Wackernagel-Stadler, A. Heinr. Piquet, Rev. germ. 18, 1927, 183, Stamm-

5. 169-77). Die lat. Versionen: Georg ler, ZfDtschkde 1927, 161. Zum Text: