44 Die erzählende Dichtung
des Schwanenritters und die verbotene Frage nach seinem Namen und seinerHerkunft berichtet. Mit der Erzählung, wie der Ritter traurig Abschied nimmtund von dem Schwan abgeholt wird, setzt der erhaltene Text wieder ein. DieHerzogin erzieht ihre Kinder, von denen später die Grafen v. Geldern undCleve abstammen.
Es ist die Lohengrinsage. Der werde ritter mit dem swanen (1345) wirdnicht mit Namen genannt, auch ist die Person des Schwanritters nicht mitdem Gral in Verbindung gebracht wie in Wolframs Parzival.
Die Schwanrittersage besteht aus zwei Teilen. Der erste besteht aus der Vorgeschichtevon der Herkunft und den Schicksalen des Schwans, deren Kern das Motiv von der unschuldigverleumdeten Königin ist (LG. II, 2,124 Anm. 1). Eine Königin gebiert, während der Gatte imKrieg ist, sieben Kinder, die alle silberne Kettlein tragen. Die böse Schwiegermutter läßt sieaussetzen, sie werden von einem Einsiedler auferzogen. Ein Jäger findet sechs der Kinder undnimmt ihnen ihre Kettchen ab, worauf sie zu Schwänen werden; nur ein Sohn, der abwesendwar, wird nicht verwandelt und macht sich zum Befreier der Mutter. Nun gibt die Schwieger-mutter einem Schmied den Auftrag, die sechs Ketten einzuschmelzen, dieser behält aber fünfdavon. Darauf bekommen fünf der Kinder ihre natürliche Gestalt wieder, der sechste, dessenKette eingeschmolzen ist, muß Schwan bleiben. Der unverwandelte Sohn ist der Schwanritter,Lohengrin, der Held des zweiten Teiles der Sage und unserer deutschen Dichtungen. 1
Die wichtigsten deutschen Bearbeitungen der Schwanrittersage sindder Schluß des Parzival (818,24-819,8.823,27-826,30), wo der Held Loheran-grin heißt, und der Roman „Lohengrin" (s. unten). Konrads Gedicht ist naheverwandt mit der französischen Erzählung vom Chevalier au cygne und be-ruht auf einer französischen Vorlage. — Benutzt ist das Gedicht in der Ober-rhein. Kronik. 2
Konrads Erzählung wird durch Schilderungen von Gewändern undRüstungen, durch die Beschreibung desZweikampfs und des Rechtsverfahrens 3etwas allzu breit ausgeweitet.
Legenden. 4
VII. Der Silvester 5 ist eine der frühesten Dichtungen Konrads. Im Prolognennt sich der Verfasser dem geistlichen Inhalt entsprechend demütig den
1 Lit. zur Schwanrittersage: Piper, Höf. Ep. Helm, Festschr. Braune 1920, 250; Martin,
3, 69-71; Panzer, Bibliographie zu Wolfr. Parz. Ausg. II, 105 f.; Zenker, Ivainstud.
v. Esch. S. 24 f. — v. d. Hagen, Abh. d. Berl. S. 174 f.; Sparnaay, Verschmelzing S. 135-
Akad. 1846, 513 ff.; Wilh. Müller, Germ. 1, 43; R. S. Loomis, Celtic Myth and Arthurian
418^10; Blöte, ZfromPhil. 21, 176-91. 25, Romance S. 311-19; Bolte-Polivka 1, 432f.;
1-44. 27,1-24, Engl. Stud. 29,337-68, Taal-en s. unten „Lohengrin".
lett. 12, 1902, Verh. d. 12. akad. v. wetensch. 2 Helm, Festschr. Braune 1920 S. 250.
1904, dazu Borgeld, Mus. 12, 51-54, Spiller, 3 Rechtsgeschichtl.: Rich. Schröder, ZfdA.
Cbl. 1905, 284-86, Golther, Lbl. 1906, 1-3, 13, 139-56; Sparnaay, aaO. S. 142; Erich
Petsch, Arch. 116, 149-51; Blöte, ZfdA. 38, Klibansky, Gerichtsszene u. Prozeßform,
272-88. 42, 1-53, 44, 407-20. 47. 185-91. 48, 1925, S.56f.; Strothmann, Gerichtsverhandl.,
371-99; Golther, Rom. Forsch. 5, 103 ff., 1930, S. 28 f.; s. Klage der Kunst.
Ges. Aufs. S. 85-103. 104-10, Gralbuch 4 Lit. zu den Legenden: G. 0. Janson, Stud.
S. 58. 245 ff. 251 f.; 0. Rank, Die Lohengrin- über die Legendendichtungen K.s v. W., Marb.
sage 1911, dazu Pestalozzi, Anz. 36, 299-301, Diss. 1902; Ulrich, Stil der Leg. s. oben;
Piquet, Rev. germ. 17, 1926, 105 f.; A.Krü- Merker, Reallex. 2, 181.
ger, Die klevische Schwanrittersage, Berichte B Ausg.: W. Grimm 1841; P. Gereke, K.v.W.
des freien dt. Hochstifts Frankf., NF. 12,1912; Die Legenden I, Ad. Textbibl. Nr. 19, 1925