Konrad von Würzburg 43
Im Schlußwort berichtet Konrad, daß er das Gedicht aus dem Lateinischenfür den von Tiersberg, den Probst in Straßburg, 1 übertragen habe.
Die Geschichte ist flott erzählt, die Roheit der Mißhandlung wird durch dieDosis Galgenhumor gemildert, welche der Kaiser bezüglich seines zerzaustenBartes bezeigt.
Der Kaiser Otto hat in dem Gedichte einen bösartigen Charakter: derheiser übel unde rot (231), was mitalle ein übel man (9), ein ungünstiges Urteil,welches der sagenhaften Tradition entspricht (vgl. Rudolfs v. Ems G. Ger-hard). Die beiden sächsischen Kaiser Otto I. und Otto II. verschmolzen all-mählich zu einer Person; Otto II. führte den Beinamen „der Rote", und vonihm ausgehend verschlechterte sich in der Sage der Charakter der beidenHerrscher mehr und mehr. Besonders sprach dabei auch der gegen rotenHaarwuchs eingenommene Volksglaube mit.
Allen drei Erzählungen gibt Konrad eine Lehre bei. Diese moralische Weg-bereitung ist gradualistisch abgestuft. Im Otte gibt er Anweisung zur Er-langung der bloß irdischen Güter, Ruhm und Ehre; das Herzmaere stellt einBeispiel für die Tugend der reinen Minne auf, der Welt Lohn führt über dasIrdische hinaus zum höchsten Gut.
VI. In einen geschichtlichen Rahmen ist auch der Schwanritter 2 ge-faßt, welcher seiner Entstehungszeit nach von den drei vorher besprochenenkleineren Erzählungen zu trennen ist und in Ausdrucksweise und Versbaueine fortgeschrittenere Kunst sowie vor allem eine längere Beschäftigung mitder französischen Literatur verrät. 3 Der Dichter nennt sich am Schluß (1384),doch ist kein Gönner erwähnt. 4
Kaiser Karl hält Hof und Gericht in Nimwegen; die Herzogin von Brabant,Witwe des Herzogs Gotfrid, und ihre Tochter klagen den Herzog von Sachsen,ihren Schwager bzw. Oheim, an, er habe sie aus ihrem Rechte vertrieben. Daerscheint ein nie gesehenes Wunder auf dem Meer: ein weißer Schwan ziehtan einer silbernen Kette ein Schifflein, in dem ein Ritter schläft. Karl undseine Umgebung empfangen ihn feierlich. Der Herzog v. Sachsen fordertweiterhin, das Recht solle durch Zweikampf entschieden werden und dieHerzogin solle sich einen Vertreter ihrer Rechte erwählen. Da bietet sich ihrder fremde Ritter als Kämpfer an und besiegt den von Sachsen. In einerLücke der uns überlieferten Handschrift wurde dann über die Vermählung
1 Domprobst Berthold v. Tierberg (Diers- proben, 1864,108-22.— Stellen: Schröder,bürg) (1260-75); Schröder, ZfdA. 38, 27-29 Ausg. S.VIII (Lit.), Stud. III, 33 ff.; Gereke,u. 64, 80; Stud. IV, 112. — Die lat. Quelle Beitr. 38, 510-19. — Nur 1 Hs., erhaltenKonrads ist unbekannt, aber mehrere lat. 1358 V., der Anfang, etwa 284 V., fehlt; FranzFassungen, die auch in deutsche Chroniken Roth S. 39; Schröder, Ausg. S.VI f., Stud.übergingen, sind nachgewiesen; Hahn S.21 ff.; IN, 35 ff.; u. 1 Bruchst., Kirchner, ZfdA.Lambel 1 S. 243 f.; Baechtold S. 120; Piper 67, 70-72.
S. 184. 3 Schröder, Stud. III, 34.
2 Ausg.: Franz Roth, 1861, dazu Bartsch, 4 Dem Gönner war vielleicht in der verlore-Germ. 6, 494-96; Schröder, Kl. Dicht. II; nen Einleitung gehuldigt; Schröder, Stud.Textabdrucke: Brüder Grimm, Ad. Wälder V, 117.
3, 1816, 52-96; Müllenhoff, Ad. Sprach-