Konrad von Würzburg 41
dieser Erzählung zeigen, was reine und vollkommene Minne vermag (1-29.582-88).
Die Erzählung vom gegessenen Herzen ist eine Variante der Dichterhelden-sage, die in Nordfrankreich an die Gestalt des Trouvere Castellan v. Coucy,in der Provence an die des Trubadurs Guilhem de Cabestanh, in Deutschlandan die des Minnesingers Reinmar v. Brennenberg angeknüpft wurde. 1
Aus den vielen Bearbeitungen des Motivs vom gegessenen Herzen sindhervorzuheben: der französische Lai d'Ignaures und der verlorene französischeLai von Gurun. Auch auf den Namen des aus einem Lai bekannten Gralant(LG. II, 2, 135) wurde die Geschichte übertragen (Gotfr. Tristan 3524. 3585;Krone 11564; Weinschwelg 334; Der von Gliers, MSH. I S.44*, Bartsch,Schweizer Minnesinger S. 206, 154). Ferner wurde diese Trubadurnovelle vonBoccaccio im Decamerone nacherzählt, woraus wiederum Hans Sachs, in derTragödie von Concreti, und das Volksbuch schöpften. Außerdem gibt es nochviele andere, besonders französische und englische Versionen.
IV. Der Welt Lohn 2 ist eine allegorische Dichterheldensage, 3 die mit derGestalt des Wirnt von Grafenberg verbunden wurde. Der Dichter, der alleseine Jahre der Welt ergeben war, sitzt eines Tages in seiner Kemenate, ver-sunken in ein Buch von süßen Minneabenteuern. Da tritt ein wunderschönesWeib herein. Sie offenbart dem Erschrockenen, sie sei die Herrin, der er all-daher gedient habe, sie wolle ihn nun seinen Lohn schauen lassen, und nenntihm auch ihren Namen: diu Werlt bin geheimen ich. Mit diesen Worten drehtsie sich um, und nun sieht er ihren Rücken, der von Würmern und Ungezieferdurchwühlt, einen scheußlichen Anblick bietet. Darauf verschwindet sie, undder Ritter erkennt, daß, wer sich ihrem Dienste, dem Dienste der Welt,weiht, verworfen ist, und zum Heil seiner Seele nimmt er das Kreuz gegen dieHeiden. Am Schluß (274 Verse), nach einer Morallehre, 4 nennt sich Konradals Dichter.
Die Lehre, da.3 ir die werlt la^et varn, weit ir die sele bewarn, ist aus derAltersstimmung hervorgegangen (vgl. Walthers Elegie u.a.). 5 Sie stellt sichmit ihrem streng kirchlichen Wertmaß in Gegensatz zu dem ausgleichendenritterlichen Humanismus. So konnte selbst ein derart religiös gestimmter
1 Das Volkslied vom Bremberger: Uhlands Ausg.: Franz Roth 1843; v. d. Hagen, GSA.
Volkslieder Nr. 75 S. 158-61; Meistersinger- I S. CXIII-CXV. 395^07; Piper S. 177-83;
lied: Grimm, Dt. Sagen Nr. 505. 506; MSH. Schröder, Kl. Dicht. I, dazu Anz. 43, 98,
IV S. 281-84; A. Kopp, Bremberger-Gedichte Gierach, DLz. 1925, 2144, Piquet, Rev. crit.
1908, s. auch Euphorion 10, 1903, 259 ff. — 59, 1925, 80; Schröder 2. Aufl. 1931; frühere
v. d. Hagen, GSA. I S. CXXIV-CXXXIII; Abdrücke s. Piper aaO. — Übers, bei Reclam.
Lambel aaO.; Haupt, ZfdA. 15, 259; Gaston —8 Hss. u. 1 Bruchst.: Schröder S. XII-XV;
Paris, Romania 8, 1879, 343 ff.; H. Patzig, Piper S. 176.
Zur Gesch. der Herzmäre, Progr. Berlin 1891, 3 Rostock, Dichterheldensage S. 18-20.dazu Singer, Anz. 17, 334-36; Schröder, 4 Vietor, Beitr. 46, 99.Anz. 13, 119; Rostock, Mhd. Dichterhelden- 5 Sachse aaO.; Schwietering, Demuts-sage, 1925, 16-18 (mit Lit.); Schneider, formel S. 82-89; Bernt, Heinr. v. FreibergFestschr. Ehrismann S. 122 f. S. 203; s. oben unter Wirnt. — Die gleiche
2 Lit.:F. Sachse, Der WeltLohn, 1857, S.3-5; Rolle wie die Frau Welt spielt dieVenus in
Baechtold, Anm. S. 37 f.; Piper S. 176. — der Tannhäusersage.