40 Die erzählende Dichtung
In den Sprüchen gibt sich Konrad unumwunden als Erwerbsdichter, amgrimmigsten geht er gegen die kargen Reichen los, Schande ist ihm gleich-bedeutend mit Knickerei; seine Kunst geht nach Brot.
II. Inhaltlich steht der Spruchdichtung Konrads die Allegorie von derKlage der Kunst, 1 in 32 achtzeiligen Strophen mit gekreuzten Reimen,am nächsten. Das Gedicht fällt in die Höhezeit seines Schaffens. 2 Er nenntsich hier bloß Kuonze (Str. 31), aber die einzige Handschrift, die WürzburgerHs. des Michael de Leone, gibt in der Überschrift den vollständigen Namendes Dichters (s. oben), auch spricht der Stil durchaus für Konrad.
Das Gedicht ist eine „prozessualische Allegorie", eine Gattung, welchespäter, im 14., 15. Jahrhundert, mehrfach vorkommt. Der Dichter wird vonFrou Wildekeit auf eine Waldwiese geführt, wo von zwölf in Frauengestaltenpersonifizierten Tugenden ein Gericht abgehalten wird. Die Kunst tritt alsKlägerin auf gegen die Milde (Freigebigkeit), da diese unwürdigem, kunst-losem Volk Gabe erteilt habe. Die richterliche Entscheidung ist: wer dierechte Kunst nicht liebt und doch den Namen eines Freigebigen trägt, sollgemieden werden. Der Dichter, der als Zeuge anwesend ist, verkündigt diesenBeschluß den mächtigen Herren. 3 — Eingewirkt 4 hat Konrads Gedicht aufHeinzeleins Streitgedicht von den beiden Johannsen (s. unten). 5
Kleinere Erzählungen.
III. DasHerzmaere 6 ist eine Fassung der weitverbreiteten sentimentalenLiebesgeschichte vom gegessenen Herzen: Ein Ritter ist in Minne mit derFrau eines andern verbunden. Auf ihren Wunsch macht er, um den Argwohndes Gatten zu zerstreuen, eine Fahrt ins heilige Land. Aber in der Fernestirbt er aus Minnesehnsucht. Seinem Knappen gab er den Befehl, sein Herzder Geliebten zu überbringen. Doch bevor dieser die Burg der Dame erreichthat, begegnet ihm deren Gatte und nimmt ihm das Gefäß mit dem Herzenab. Dann läßt er es, zu einer kostbaren Speise zubereitet, seiner Gattin vor-setzen. Sie ißt davon, und als sie erfährt, was sie gegessen, bricht ihr das Herz.— Am Schluß des 588 Verse zählenden Gedichtes nennt sich Konrad v. Würz-burg als Verfasser. Er will nach dem Vorbild von Gotfrids Tristan mit
1 Ausg.: Eugen Joseph, QF. 54, 1885, dazu Anm., s. speziell die Arbeiten von RichardStrobl, DLz. 1885, 896, Cbl. 1886, 802, Bech, Schröder S. 16.
Lbl. 1886, 6, G. Wolff, Anz. 13, 232-44, i Ein lat. Gedicht auf den Verfall der Dicht-
Seemüller, ZföG. 1886, 856; Piper, Höf. Ep. kunst, das auffallende Ähnlichkeit mit Kon-
3, 235^12; Schröder, Kleinere Dicht. K.s rads Klage der Kunst hat, s. Seemüller,
v. W. III, dazu Schröder, Anz. 45, 40 f., ZfdA. 34, 223-26.
Gierach, DLz. 1926, 416 f., G. Müller, Lit. 5 Schröder, ZfdA. 53, 397 f.
Handw. 62, 529 f.; Maurer, Theut. 4, 70 f.; e Ausg.: Franz Roth, 1846; v. d. Hagen
Schölte, Mus. 34, 269 f.; Piquet, Rev. germ. GSA. I, 1850, S. CXVI-CXXIV. 225-44
17, 1926, 129 f. (Frühere Ausg.: Docen, Mus. Lambel, Erzählungen u. Schwanke Nr.VII
f. ad. Lit. u. Kunst I, 1809, 62-72; MSH. III Piper aaO.; Schröder, Kl. Dicht. I (ältere
S. 334-37.) Ausg. u. Abdrücke: Baechtold aaO.; Schrö-
2 Unmittelbar vor den Engelhard: Joseph der S. XV). — Übers, bei Reclam. — 8 Hss.S. 704 f.; Laudan S. 95-98; vgl. Schiro- 1 Bruchst.: Schröder S. XV-XIX; s. auchkauer, Beitr. 47, 68 Anm. 1. Bartsch, Parton. S. XI f.; Haupt, ZfdA. 15,
3 Rechtsgeschichtl. Lit. s. Joseph S. 1 ff. 250-52.