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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Konrad von Würzburg 39

auch der Sinn außen an schönen Worten, und innen steckt wenig Nutzen; dieeinfachen Leute verstehen ihn nicht, aber die Pfaffen, die Gelehrten, lobenihn. Als einen der besten lebenden Meister rühmen ihn Herman Damen(MSH. III S. 163 Nr. 4) und Rümzlant (ebda S. 65 Nr. 3), seinen Tod beklagenFrauenlob (ed. Ettmüller S. 180, 313) und Boppe in einem frommen Nach-ruf (ebda IIS. 383 Nr. 27). Die Meistersinger zählten Konrad unter diezwölfalten Singer". 1 Sein Einfluß ist zu bemerken bei Egenolf v. Staufenberg,auch in den Heldenepen von Dietrichs erster Ausfahrt, im Großen Wolf-dietrich, 2 in Hugos v. Langenstein Martina; im 15. Jahrhundert bei Her-mann v. Sachsenheim (Goldener Tempel; s. auch unten einzelne DichtungenKonrads).

Leiche, Lieder und Sprüche. 3

I. Die zwei Leiche hat Konrad in seiner besten, voll ausgebildeten künst-lerischen Schaffenszeit hervorgebracht. In dem religiösen Leich wird derKern der christlichen Lehre dargelegt, ähnlich wie in Walthers Leich. Aberwie verschieden ist das innere Erleben! Walther wirkt durch Glaubensernstin klarer, ruhiger, fast dogmatischer Festigkeit, Konrads Gedicht ist einesder größten Kunstwerke des barocken mhd. Sprachstils, unruhig, glänzendvon üppiger Phantasie, den Sinn im Wort begrabend. Dem inbrünstigen reli-giösen Leich steht ein mit klassischer Gelehrsamkeit aufgeputzter Minne-leich gegenüber: Herr Mars herrscht im Lande ein Zeitbild des Inter-regnums; Venus und ihr Sohn, der fürste Amur, werden aufgefordert, in denStreit zu ziehen gegen die argen Herren, die Raub und Brand lieber haben alsdie süße Minne. Das alles wird zum Tanze gesungen, stellt einen Tanzleich dar.

In den Liedern ist Konrad wenig originell: Wir besitzen von ihm neunSommer- und elf Winterlieder, fast durchweg im Minnestil und durch Natur-stimmungen eingeleitet; dazu drei Wächterlieder, einige überladen mit Wort-und Reimeffekten.

Die Sprüche (44) bewegen sich in den üblichen Geleisen: Tugendlehre,Verurteilung der Laster, religiöse Betrachtungen; wenige von ihnen habeneinen mehr persönlichen Inhalt, wie etwa ein ironisches Lob des Meißners, 4ein politischer Preis auf Rudolf v. Habsburg, ein Herrenpreis auf den Bischofvon Straßburg, Konrad III. V.Lichtenberg (I273-99). 5

1 Roethe, Reinm., Reg. S. 637. Zwier- Ordnung u. Zeitfolge der Lieder, Sprüche u.zina, Festschr. des Rainer-Realgymn. in Wien Leiche K.s v. W., Marb. Diss. 1902; Günther1914, bes. S. 129-36 (Leupold Hornburg in Müller, Dt. Viertelj. 5, 1927, 123 f.; C. v.MSH. IV, 881). Kraus, Münchn. SB. 1929 H. 4 S. 26.

2 Schneider, Wolfdietr., Reg. S. 414. Marienieich: Steller, Beitr. 45, 380-85;

3 Ausg.: MSH. II S. 310-35; Bartsch, Günther Müller, Dt. Dicht, usw. in WalzelsAusg. von Partonopier S. 345^02 (s. Bartsch, Handb. S. 15 ff.; Schröder, Zu K.s v. W.Liederd. Nr. LXIX; Ders., Kolmarer Hs. Tanzleich, ZfdA. 58, 279; Ludw. Sig, DasS. 164-66); Schröder, Kleinere Dichtungen K. v. W. zugeschriebene Ave Maria, 1903;K.s v. W. III, 1926, S. 9-68. Abh.: G. Spruch auf den Lichtenberger: Schröder,Scheibler, Zu den lyr. Gedichten K.s v. W. Stud. IV, 112 f.; Singer, Religiöse Lyrik,I. Der Strophenbau, Bresl. Diss. 1874; R. 1933, 91 f.

Rodenwaldt, Die Fabel in der dt. Spruch- 4 Burdach, Reinm. S. 137; Roethe, Reinm.,dicht., Progr. Berlin 1888; Alwin Wode, An- Reg. S. 637. 6 Schröder, Stud. IV, 112 f.