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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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38 Die erzählende Dichtung

Wie Rudolf v. Ems, so hat auch Konrad v. Würzburg, nur in bedeutenderhöhtem Maße, sich die feine Formensprache Gotfrids v. Straßburg zumMuster genommen und sie auf Epigonenweise häufig auch bis zum Übermaßgetrieben; keinen andern seiner Vorgänger preist er außer Gotfrid (Herz-maere 9, goldene Schmiede 97) . l Der Nachahmer wird zum Übertreiber;Konrad ist ein Meister des geblümten Stils und hat damit auf die Formkünste-lei der Folgezeit maßgebenden Einfluß ausgeübt. Diese seine erhabene Manierwendet er aber hauptsächlich an solchen Stellen an, deren Gehalt durch be-sondere Wortkunst erhöht werden soll.

Stärker als im Stil zeigt K. seine Abhängigkeit von Gotfrid in der Vers-kunst. 2 Den an sich schon ebenmäßigen Rhythmus von Gotfrids Vers hater zu möglichst regelmäßigem Wechsel von Hebung und Senkung geglättet,wobei er mehr und mehr den Auftakt durchführt, also ein jambisches Systemanstrebt. Dieserneuhöfische Stil" läuft schließlich in die Silbenzählung derMeistersinger aus. Immerhin duldet Konrad noch einsilbige Takte in gewissenAusnahmefällen. Für die Künstelei der Blümung bieten die Reime ein be-sonders günstiges Feld, durch auffallende Bindungen zu glänzen (seltene,seltsame, wilde Reime).

Konrad stand bei Lebzeiten und auch weiterhin in hohem Ansehen. 3Die Ansicht der nüchterner urteilenden Zeitgenossen gibt Hugo v. Trimbergwieder (Renner 1195 f. 1202-20), dieser findet ganz richtig den Schlüsselfür Konrads meisterlichez tihten: er hat seine Worte fremdartig und schwer-verständlich gedrechselt; wer sich ganz um seltsen rim bemüht, bei dem klebt

auffaßt, nicht erhoben. Rud. fühlt sich als Mhd. Novellenstud., Reg. S. 536; Brinkmann,

Epigone, indem er sich an denMeistern" Wesen u. Form, Reg. S. 192; Butzmann, Stud.

mißt, Konrad erkennt seine ganze Zeit als aaO. S. 39 ff.; Halbach aaO.; Heinr. Leim-

einen Rückschritt gegenüber der hochhöfischen bach, Die Landschaft bei K. v. W., Frankf.

Kultur. Diss. 1922 (Maschinendruck); Heinr. Lich-

1 W. Grimm, Kl. Sehr. 3, 247; Ders., Gold, tenberg, Architekturdarstellungen, 1931, 88-

Schmiede S. XIII-XVII; Burdach, Reinm. 91. 105 f. 114; Otto Messner, Epitheta or-

S. 31. 137; Roethe, Reinm. Reg. S. 637; Jo- nantia bei K. v. W., Diss. Tübingen 1931, dazu

seph, Klage der Kunst S. 28-73 ;G.A.Wolff, Piquet, Rev. germ. 23, 1932, 265 f. Eu-

Diu halbe bir, 1893, XXXI ff.; Laudan aaO.; ling, Priamel, S. 429 f.; Schneider, Wolf-

Ernst Meyer, Die gereimten Liebesbriefe dietr., S. 104ff. Suolahti, Mem. VIII,

S. 32-37; Paul Jaeckel, Egenolf v. Staufen- 1929.

berg ein Nachahmer K.s v. W., Marb. Diss. 2 Metrik: Koberstein l 6 Reg. S. 466; Sa-

1898; Schröder, Gold. Schmiede, Ausg. ran, Verslehre, Reg. S. 348; Heusler, Dt.

S. 34 f. Augustin Walsch, Das Das ge- Versgesch. II pass. Jänicke, ZfdA. 16,

Präfix in verbaler Kompos. in K.s v. W. 402 ff.; Kraus, ebda 47, 313 f.; Laudan

Engelhard, Progr. Mähr.-Schönberg 1912; S. 34 ff. 109-31, u. ZfdA. 48,533^18; Gereke,

Walther Leppelt, Der Titulierungsgebrauch Beitr. 37, 432-69. 38, 501-29; Pfannmüller

in den Redescenen der Werke G.s v. Str. u. ebda 40, 373-87; Zwierzina, Anz. 27 Reg.

K.s v. W., Greifsw. Diss. 1912; Walther S.352; v. Kraus, ZfdA. 56, 49 ff. M.

Stechow, Sprichwörter, Redensarten u. mo- Kleinbruckner, Reimgebrauch K.s v. W.

ral. Betrachtungen in den Werken K.s v. W., im Engelhard, Progr. Duppan 1916; R. Rit-

Greifsw.Diss. 1921 (Maschinendruck); Friedr. Ter, Die metrische Brechung in den Werken

Ulrich, Darstellung u. Stil der Legenden K.s K.s v. W. u. seiner Nachfolger, Erlang. Diss.

v.W., Greifsw. Diss. 1920 (Maschinendruck); 1917/18; Butzmann, Stud. zum Sprachstil

Otto Deter, Zum Stil K.s v. W. mit einem aaO. S. 21-39; G. Scheibler s. unten.

Beitrag zur Chronologie, Jen. Diss. 1922 (Ma- 3 Hahn, Otte S. 11-13; Piper S. 166 f.;

schinendruck); Helmut de Boor, Festschr. Bartsch Liederd. Nr. LXIX.Ehrismann, 1925, 125 ff.; H.-Fr. Rosenfeld,