36 Die erzählende Dichtung
(sein Aufenthalt daselbst entzieht sich unserer Kenntnis). Seine dauerndeHeimstätte erlangte er in Basel, er besaß dort Haus und Familie und standbei den kunstliebenden Patriziern und vornehmen geistlichen Herren in An-sehen. Am 31. August 1287 ist er in Basel gestorben und wurde auch dortbegraben. 1
Er selbst nennt sich: von Wirzeburc ich Cuonrät, 2 rechnet sich unter diemeister 3 und wird auch von andern meister* genannt. Und zu diesem Ehren-titel war er mehr berechtigt als irgendein anderer, denn er war wirklich ein„Meister" in der Kunst und im Wissen. Er besaß ungewöhnliche Kenntnisse,die er sich zum Teil schon in der Schule angeeignet hatte, wie sein theologi-sches Wissen und die Beherrschung des Lateinischen, dann aber auch andere,die er durch die Erfahrung des Lebens erwarb. Spät noch lernte er Franzö-sisch. 5 Für juristische Auseinandersetzungen besaß er besonderes Interesse(Klage der Kunst, Schwanritter), und als Berufsdichter lag ihm die Wappen-kunde, die Heraldik, nahe.
Seine Werke zerfallen inhaltlich in folgende Gruppen: I. Lyrik (dazu ge-hörig die Klage der Kunst); II. Kleinere Erzählungen wie Herzmaere, WeltLohn, Otte mit dem Barte, Schwanritter; III. Legenden: Silvester, Alexius,Pantaleon, dazu Die goldene Schmiede; IV. Romane: Engelhard, Partono-pier, Trojanerkrieg; V. Der Turnei von Nantheiz. Diese Gruppenanordnungentspricht nicht ganz der Zeitfolge der einzelnen Dichtungen. Die Lyrik gehtim allgemeinen neben den andern Werken her, die Abfassungszeit des Ottemit dem Barte ist zwischen der der Legenden anzusetzen, die goldene Schmiedeund die Klage def Kunst gehören zeitlich in die Nähe des Engelhard, Panta-leon hinter diesen, der Schwanritter entstand in der spätesten Zeit, der Turneimitten während der Abfassung des Trojanerkrieges. 6
nagel, Kl. Sehr. 1, 299 u. Germ. 3, 257 (dazu Magistri Cuonradi de Wirzeburg. Lit. zu K.s
Haupt, ZfdA. 7, 169); Bartsch, Liederd. Leben: Baechtold, Anm. S.36; Piper
Nr. LXIX; Schwietering, Demutsformel, S. 167 f. — Konrads Sprache neigt zu ale-
S. 19 f. 23. mannischen Sonderheiten, hat aber doch einen
1 Es ist möglich, daß er auch noch von Basel ostfränkischen Unterton, Zwierzina, Anz. 26
aus Beziehungen zu den vornehmen Straß- Reg. S. 356. 27 Reg. S. 352, u. bes. ZfdA. 44,
burger Kreisen gehabt hat. Von seinen Dich- 112. 305. 63, 1 ff.; Schröder, Stud. IV, 111.
tungen weisen nur der Otte und ein Spruch 2 Schröder, Stud. IV, 110. V, 117 f.; s. auch
(Schröder, Ausg. S. 68) nach Straßburg, im folgenden bei den einzelnen Gedichten,
auch die goldene Schmiede und die beiden 3 Sprüche Nr. 32, 190, ed. Schröder S. 61.
Leiche gehören wohl hierher (Schröder, — Schwietering aaO. S. 58. 70, auch S.45.
Stud. IV, 112 ff.). — Die Kolmarer Annalen 56.
(Aufzeichnungen eines Kolmarer Dominika- 4 Siehe unten über Konrads „Ansehen",
ners) nennen ihn „vagus": Conradus de Wird- „Meister" genannt auch im Schreiberschluß
burc vagus fecit rithmos theutonicos debeata Vir- der goldenen Schmiede und in der Überschrift
gine preciosos. Sie berichten zum Jahre 1287; der Klage der Kunst. — Schwietering, De-
Obiit Cuonradus de Wirciburch in theutonico mutsformel S. 70.
multorum bonorum dietaminum compilator. In B Lat. u. Franz.: Stellen bei Pfeiffer, Germ,
einem Eintrag des Jahrzeitenbuches des Bas- 12, 28.
ler Münsters wird zum 31. Aug. 1287 berich- 6 Lit. zur Zeitfolge: Schröder, Anz. 25,
tet: Cuonradus de Wirtzburg, Berchta uxor 369 f., ZfdA. 38, 27-29, Studien I, 1-3. III,
eius, Gerina et Agnesa filiae eorum obierunt, 33-35.39^44. IV. V, Kleinere Dicht. I S.XXIII
qui sepulti sunt in latere beatae Mariae Magda- Anm.; Blöte, ZfdA. 42, 44 ff.; Laudan s.
lenae. Urkundlich im Jahre 1290 wird ein oben (darin Lit. S. 1-9); Gereke, Beitr. 38,
Haus in Basel erwähnt als domus quondam 517-19; Schirokauer, ebda 47, 68; Galle