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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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32 Die erzählende Dichtung

v. Winterstetten (urkundl. 1214-42), der auch Ulrich v. Türheim zur Fort-setzung von Gotfrids Tristan veranlaßte (s. unten), hat den Dichter mit diesemWerke beauftragt, welches seiner Dame ein Zeichen seiner dienstbaren Treuesein sollte (2301-31. 15643-65). Da Rudolf in der Dichtung den eben er-folgten Tod des Grafen Konrad v.Öttingen (urkundl. 1223-31) beklagt(V. 2084-94), der vor 1238 starb, wird der Willehalm um 1238 entstandensein. 1

Wilhelm und Amelie waren eines der drei berühmtesten Liebespaare(die beiden andern waren Tristan und Isolde, Wilhelm von Österreich undAglye), mit deren Abbild der adlige Besitzer des Schlosses Runkelstein beiBozen den Söller seines Schlosses schmückte (s. unten Pleier Joh.v. Würz-burg). Püterich erwähnt den Roman in seinem Ehrenbrief, vor allem aber be-zeugt die ungewöhnlich große Zahl von überlieferten Handschriften, wie vieler gelesen wurde. 2 Diese Beliebtheit veranlaßte auch Neubearbeitungen: im15. Jahrhundert entstand eine gereimte Nacherzählung, in roher Aufmachung(3 Hss. und ein Augsburger Druck von 1491), und im Jahre 1522 (1 Hs.) einemißratene Zusammenziehung auf 312 Strophen im Herzog-Ernst-Ton; schließ-lich benutzte Hans Sachs 1533 den Stoff zu einem Drama in engem Anschlußan den Augsburger Druck. 3

Mit der Weltchronik 4 hat Rudolf die Dichtkunst in den Dienst derWissenschaft gestellt. Hier schuf er ein Werk, das die populäre Geschichts-kenntnis des ausgehenden Mittelalters begründet und diese in der Bildungdes deutschen Volkes verbreitet hat, 5 wie die sonst von keinem andern mhd.Buche erreichte Handschriftenzahl beweist und die vielen Fortsetzungen,

1 Junk, Prager dt. Stud. 8, 353-61; Lüdicke MA.s, ZfBücherfr. NF. 19, 1926/27, 1-11;S. 74; Singer, LG. der dt. Schweiz, S. 46. Schröder, Anz. 49, 74; Leidinger, Münch.Zu Konrad v. Winterstetten: Stalin, Wirten- Dichter des 14. Jh.s, Münchn.Akad. 1930, da-berg. Gesch. 2, 614 f. 765 f.; Burdach, Rein- zu Ehrismann, Lbl. 1931, 91. Stellen:mar 2 S. 391. 402 ff. u. Reg. S. 438; s. unten Leitzmann, Beitr. 42, 505-12, dagegen Ehris-Ulrich v. Winterstetten. Gereimte Inschrift mann, ebda 44,268-79, Leitzmann, Erwider.,auf einem Schwerte des Schenken Konrad ebda S. 496. Hss.: etwa 80: Vilmar aaO.;(von Rud. v. Ems verfaßt?): Haupt, ZfdPh. 1, Massmann aaO.; Goedeke l 2 , 126-28; Piper194-98; Wallner, ebda 64, 96. 3, 648 ff.; Ehrismann, Ausg. S.VI ff., dazu

2 Der Frauenname Amelie: Ernst Kegel, Strauch, DLz. aaO. Verlorene Hss.:Die Verbreitung der mhd. erzählenden Lit.... Bartsch, Germ. 24, 20; Martha Julieauf Grund von Personennamen, Hermaea 3, Deuschle, Die Verarbeit. bibl. Stoffe im dt.1905, 105-08. Roman des Barock, Amsterd. Diss. 1927 S.6.

3 Lüdicke S. 137-77. Zeidler, Das ist Illustrationen: Ganz, Gesch. der herald,die sag von wilhalm v. orlenz u. von seiner Kunst in der Schweiz im 12. u. 13. Jh., 1899,lieben amalye, Progr. Waidhofen a. d. Thaya 116 ff.; Erich Petzet, Eine Prachths. der1896 (1496 V.); Lüdicke S. 134-56. Weltchr. des R. v. E., GRM. 1, 1909, 465-90;

4 Ausg.: Ehrismann, Dt. Texte des MA.s, K. Löffler, ZfBücherfr. 1927, 1-11; Wege-Bd. 20, 1915, dazu Strauch, DLz. 1916, ner, Miniaturenhss. zu Berlin, 1928,7-10; Dt.1448-54, Behaghel, Lbl. 1917, 152 f., Cbl. Prachths. auf Perg. vom Ausg. des XIV. Jh.s,1916, 108 f., Ad. Hofmeister. Mitt. aus der beschrieben von Kurt Enke, Leipz., Hierse-hist. Lit. 47, 79-83, Frantzen, Mus. 24, 131 f. mann (1927), darin Lit. S. 39 f.; Schröder, Abh.: A. C. F. Vilmar, Die zwei Re- Anz. 48, 205.

censionen u. die Hss.familien der Weltchr. 5 Das sächsische Zeitbuch Eikes v. Rep-

R.s v. E., 1839; Massmann, Kaiserchron. 3, gow a. 1232 ist chronologisch vorangegangen,

1854, 44-53. 81-86. 113-87 u. ö.; Baechtold hat aber einen so weitgehenden Einfluß nicht

S. 113-15 u. Anm. S. 32-35; K. Löffler, Die gehabt (s. unten).Weltchr. des R. v. E., ein Lieblingsbuch des