Rudolf von Ems 31
seine Unsichtbarkeit geschützt — prügelt nun die Hofschälke, die betrüge-rischen Hofbeamten, durch. In dieser Züchtigung spricht sich die moralischeAbsicht des Werkes aus. — Diese Sage ging in verschiedenen Fassungen umund wurde auch von Ulrich v. Eschenbach in seine Alexandreis aufgenommen. 1
Wie im Alexander, so hat Rudolf auch im Willehalm von Orlens 2 demRitterstand ein Vorbild für ritterlichiuwerdekeit entworfen; aber dort liegt derSchwerpunkt des Gedankengehaltes auf der Machtidee, in der mittelalter-lichen Umwelt des Willehalm jedoch sind die hohen Wünsche des Rittertums,Heldentum und Minne, die treibenden Kräfte.
In diesem biographischen Roman wird das Leben des Helden in 15689Versen erzählt; den Faden, an dem die Erzählung aufgereiht ist, bildet dieLiebe des aus vornehmer französischer Familie stammenden Willehalm zuAmelie, der Tochter des Königs von England, dessen Nachfolger er schließlichwird. Auch in diesem höfischen Ritterroman bleibt Rudolf auf dem Boden derWirklichkeit und lenkt sein Dichterroß nicht ins Feenland oder ins Artus-reich zu Abenteuern mit Zauberern und wilden Weibern oder dgl. SeinenWirklichkeitssinn bekundet er auch darin, daß er seine Erzählung an ge-schichtliche Ereignisse anknüpft; sie schließt mit einer historischen Schau:mit dem Helden Willehalm ist, allerdings ganz verblaßt, Wilhelm der Eroberergemeint, mit dem jüngeren Herzog Jofrit v. Brabant Gottfried v. Bouillon.
Die Quelle Rudolfs für den Willehalm ist unbekannt, jedenfalls folgt ereinem französischen Gedicht. Nahe steht inhaltlich der spätere afrz. RomanJehan et Blonde des Philipp v. Beaumanoir. 3 Das wälsche Buch brachteJohannes V.Ravensburg (Akrostichon V.8-15 und V. 15601-42) nachDeutschland, um es für seine Dame übersetzen zu lassen. Der Schenk Konrad
1 Eine thüring. Fassung, abgedr. von Haupt, Ehrismann, Stud. S. 43^16. 110-15. — Hum-Ad. Blätter 1, 250-66 (516 V.) u. Pfeiffer, bert Dell' Mour, Reimwörterb. zum Willen.ZfdA. 5, 423-26; Wackernagel, Die ad. Hss. R.s v. Ems, Diss. Wien 1928. — Über 30 Hss.der Basler Universitätsbibl., 1835, 27-30 (Ulr. u. Brachst.: Junk, Ausg. S. IX ff.; Zeidler,v. Esch., 282 V.); J. V. Zingerle, Germ. 18, Unters, des Verhältn. der Hss. von R.s v.220-33 (Ulr. v. Esch., 438 V.); s. W. Hertz, E.W. v. O., Progr. Karolinenthal-Prag 1894,Ges. Abhandl. S. 95 f.; Toischer, Alex, des dazu Singer, Anz. 21, 240-42, Rosenhagen,Ulr. v. Esch.; Arth. Witte, Stammlers Ver- ZfdPh. 29, 124-26; später gefundene Hss.:fasserlex. 1, 61-63 (mit Lit.). — LG. II, 1, 249 Schröder, ZfdA. 64, 283 f.; Hss.-Illustratio-Anm. 3. — Einen Ausschnitt aus den Kamp- nen: Kautzsch, Festschr. Sievers, 1896, 291 f.;fen eines Zwergkönigs bildet der Kampf des Wegener, Bilderhss. in der Heidelb. Univ.-Königs Antelan von Schotten, dessen Name Bibl., 1927, 19 f. 56; Stammler, Repertor. f.mit Anteloy wechselt, gegen Parzefal, ab- Kunstwissensch. 51, 1930, 144-47.
gedr. von Scherer, ZfdA. 15, 140^19, 14., 3 Zeidler, Die Quellen von R.s v. E. Wilhelm
15. Jh., in 33 Nibelungenstrophen ohne Ver- v. Orlens, 1894, dazu Lambel, Lbl. 1895,
längerung der 4. Zeile. 365-69, Singer, Anz. 21, 233-40, Rosen-
2 Lit.: Piper S. 632 ff. — Ausg.: Vier. hagen, ZfdPh. 27, 421-25, Bechstein, ZföG.Junk, Dt. Texte des MA.s Bd. 2, 1905, dazu 8, 1895, 262-66; Wechssler, Vollmöllers Ro-Panzer, ZfdPh. 43, 476-79, Zeidler, DLz. man. Jahresber. IV, 2, 1901, 407 f.; Vict.1906, 3140 f., Cbl. 57, 144 f. — J. Grimm, Kl. Lüdicke, Vorgesch. u. Nachleben des W.Sehr. 1, 89 f.; Petersen, Joh. Rothe, S. 148; v. Orl. von R. v. E., Hermaea 8, 1910, 1-130,Leitzmann, ZfdPh. 43, 319 f.; Karstien, dazu Junk, DLz. 1911, 2724-26, Helm, Lbl.Beitr.47,152-54; Günther Müller, ebda 48, 1912, 399 f., Cbl. 1911, 1253, Piquet, Rev.138 f.; Jellinek, ebda 49, 108-11; H.-F. germ.7, 620f.; s. auch Singer, Wolframs Stil,Rosenfeld, Mhd. Novellenstud. S. 473 f. S. 124. — Motivbeziehungen zu dem afrz.492; Schröder, ZfdA. 67, 209 ff. — Ethik: Roman von Hörn: Lüdicke S. 128-30. 176 f.