30 Die erzählende Dichtung
des Johann Hartlieb, ein „Fürstenspiegel", dessen Erscheinen schon inden Frühhumanismus und in die Zeit des Buchdrucks fällt (erster Druck1472). 1 In den mittelalterlichen Weltgeschichtschroniken 2 nimmt Alex-anders Eroberungszug einen besonderen Abschnitt ein, so in Enikels Welt-chronik (V. 18923-19658). Der Basler Alexander (LG. II, 1,240) ist selbstein Teil einer Art Weltchronik; eine Heidelberger Hs. von Rudolfs Welt-chronik enthält aus Enikel entnommene Abenteuer Alexanders, und ebensospätere Weltchroniken. — Auch im mnd. Seelentrost (s. unten!) ist dieAlexandersage eingeflochten. 3
In den Umkreis der Alexandersage gehören außerdem die lateinischen,pseudo-aristotelischen Secreta secretorum, ein lehrhaftes Werk, das infast alle abendländischen Sprachen übersetzt wurde. In Deutschland war essehr verbreitet, und es sind zehn, meist noch nicht herausgegebene Bearbei-tungen — teils in Versen, teils in Prosa — bekannt. Die bemerkenswertesteReimfassung nennt sich „Aristotilis Heimlichkeit" 4 (der Name lautetim Mhd. vulgär „Aristotiles") und stammt aus dem 14. Jahrhundert (3073V.).Hier wird in Gestalt eines Briefwechsels, den Alexander nach der Unter-werfung Persiens mit Aristoteles, seinem Lehrer, führt (zwei Briefe), eineFürstenlehre, eine Anweisung zum guten Regieren (de regimine principum),gegeben; nebenbei enthalten diese Briefe aber auch allgemein praktische Vor-schriften. Die rede (V. 82, Abhandlung) ist heimelich, gotlich heimlichkeit(258), d. h. verborgene Weisheit, für die Gelehrten, nicht für ungelehrte Leutebestimmt (2999 ff.). Der Verfasser war wohl ein Geistlicher, aber im DichtenDilettant.
An die Person des Welteroberers knüpfte sich auch eine Zwergensage,Alexander und Anteloye: Alexander trifft mit dem Zwergkönig Anteloyezusammen, der mit seinem durch ein helcleit (verhehlendes Kleid, Tarnkappe)unsichtbar gemachten Zwergenheere daherzieht. Er kehrt bei den Zwergenein und wohnt dort einem mit Turnieren verbundenen Feste bei. Dann lädter seinerseits den Zwergenkönig zu einem Pfingsfest ein, und dieser — durch
Alexanderchronik, Festschr. der badischen 3 Heinr. Fuchs, Beiträge zur Alexander-Gymnasien 1886 S. 97-120; Herzog, Die sage. I. Die Alexandersage im „Seelentrost".Alexanderchron. des Meister Babiloth, Progr. II. Ein neues Bruchstück einer Hs. des JuliusStuttgart 1897, dazu Ausfeld, ZfdPh. 30, Valerius, 1910. Dazu Ehrismann, Lbl. 1910,390-92. 148.
1 Siegm. Hirsch, Das Alexanderbuch Joh. 4 Ausg.: Wendelin Toischer, Progr. Wiener
Hartliebs, Pal. 82, 1911; Hans Poppen, Das Neustadt 1882, dazu Strauch, DLz. 1882,
Alexanderbuch Joh. Hartliebs und seine 1750; Steinm., Anz. 9, 231; Strauch, Die ad.
Quelle, Heidelb. Diss. 1914; Becker, Fest- Bearbeitungen der Pseudo-Aristotelischen Se-
schr. Schade, 1896, S. 1-26; A. J. Barnouw, creta secretorum, Progr. Prag-Neustadt 1884,
A Middle Low. Germ. Alex. Legend, The dazu Ders., DLz. 1884, 1615-17, Behaghel,
Germ. Rev. IV, 1, 1929. — Über eine.Hs.: Lbl. 1885, 56, Steinmeyer, Anz. 11, 91;
Travnik, Münch. Mus. 2, 211-21. — Über- Hertz, Aristot. in den Alexanderdichtungen,
setzung: Rich. Benz, Die dt. Volksbücher, Ges. Abh. 1905; Brodführer, StammlersVer-
1925. fasserlex. 1, 1931, 126 f. — Otto Rohde,
2 Zacher, ZfdPh. 10, 104 ff.; Junk, Beitr. Über eine noch unbekannte spätmhd. Prosa-
29,456 ff. — Über sonstiges Vorkommen Alex- übers, des Pseudo-Aristotel. Secretum secret.,
anders in der mhd. Lit. s. LG. II, 1, 248-50. Hamb. Diss. 1925, Maschinendruck u. Auszug.