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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Rudolf von Ems 29

In beiden Hss. ist das Gedicht unvollendet (etwa 21600 V.), und Rudolfscheint es auch tatsächlich nicht zu Ende geführt zu haben. Es war auf zehnBücher berechnet, erhalten sind nur die fünf ersten und das sechste zur Hälfte;sie enthalten die Geschichte Alexanders mit seinen Zügen bis zum Oxus.Seinen eigenen Namen deutet Rudolf im Akrostichon I V. 1-25 an.

Im Prol. IV gibt er seine Quellen, darunter die bekanntesten lateinischenAlexanderbücher (s. LG. II, 1, 245 ff.) an, aber er hat außer den von ihm be-zeichneten Vorlagen auch noch andere benutzt. 1

Die Nachwirkung der Literatur des Altertums fand im Mittelalter den ge-schlossensten Ausdruck in der Heldengestalt Alexanders. Auf die ältestedeutsche Alexanderdichtung, die des Pfaffen Lamprecht und der StraßburgerBearbeitung dieses Werkes, folgten zwei jetzt verschollene Fassungen, welcheRudolf, ebenso wie den Lamprecht, im V. Buche seines Alexanders erwähnt:eine von Berthold v. Herbolzheim (bei Freiburg i. B.), der für HerzogBerthold V. von Zähringen (1186-1218) dichtete, und eine von Biterolf,den er Freund nennt, dessen mcere er aber nur vom Hörensagen kennt. Fünf-zig Jahre nach Rudolfs Gedicht brachte Ulrich v. Eschenbach am böhmischenHofe seine Alexandreis heraus (s. unten). 2

Ein österreichischer, nicht näher bekannter Dichter, der sich am Schlußseines Werkes Seifrid 3 nennt, verfaßte im Jahre 1352 einenAlexander" nachder Historia de preliis, ein minderwertiges Machwerk. Ein spätes Erzeugnisgesunkener Kunst ist auch Der große Alexander 4 (= Alexander Magnus),eine um 1390 entstandene Übertragung der lateinischen Distichen desQuilichinus de Spoleto (LG. II, 1,147f.) von einem sonst unbekannten ale-mannischen Dichter (6456 V.). Im 15. Jahrhundert treten dann die Prosa-bearbeitungen auf: die aus der Historia de preliis übersetzteCronicaAlex-andri des großen Königs" des Meister Babiloth, welche gemäß ihremmoralisierenden und lehrhaften Zwecke in dieser seiner Zeit weit verbreitetwar (8 Hss., auch ein niederdeutscher Druck), 5 sowie die Alexanderchronik

1 Quellen: Zacher, ZfdPh. 10, 89-112; Aus- 3 Roethe, ADB. 33, 646; Th. v. Karajan,feld, Über die Quellen zu R.s v. E. Alex., ZfdA. 4, 248; Ausfeld, Die Orosius-Re-Progr. Donaueschingen 1883; Osw. Zingerle, cension (s. unten); W. Hertz, GesammelteDie Quellen zum Alex, des R.v.E., 1885, Be- Abhandl. 1905,123-25.Auszüge: Priebsch,sprechungen dazu s. JB. 1885 S. 196. 1886 Dt. Hss. in England I S. 103 f. 285-88.S. 139; Baechtold S. 104 f.; Singer, LG. d. Stellen: Strauch, Lbl. 1881, 279 f.

dt. Schweiz S. 46; Junk, Ausg. II, 753-56. 4 Ausg.: Gust. Guth, Dt. Texte d. MA.s,

2 Berth. v. Herbolzh.: Zacher, ZfdPh. 10, Bd. 13,1908, dazu Panzer, ZfdPh. 43,476-79,96 ff.; Lichtenstein, Anz. 9, 30; Bartsch, Ehrismann, Lbl. 1914, 109 f., Piquet, Rev.Germanist. Stud. 1, 1 ff.; Schröder, ZfdA. germ. 5, 1909, 221; Paul Gereke, Seifrits51, 108 f. 152 ff. u. 67, 228 f.; Junk, Beitr. 29, Alexander, aus der Straßb. Hs. hgb., Dt. Texte460f.; Pfaff, Der Minnesang im Lande Ba- des MA.s 36, 1932. Ernst Neuling, Dieden 1908 S. XII f.; Stammler, Repertor. für dt. Bearbeit. der Alexandreis des QuilichinusKunstwissensch. 51, 1930, 141^17; Elisa- de Spoleto, Beitr. 10, 315-83. Nur eine Hs.beth Grammel, aaO. S. 61 f.; Halbach, (1397), in Wernigerode, daher diese FassungStammlers Verfasserlex. 1, 210 f. Bite- auchWernigeroder Alex." genannt wird,rolf: Roethe, Reinmar, Reg. S. 634; Pfaff, Der TitelDer große Alex." ist der Prosaüber-Lbl. 1884, 6; Schröder, ZfdA. 51, 152 ff. schrift der Hs. entnommen.

u. 67, 229 f. (s. unten Wartburgkrieg); Jan 6 Ad. Ausfeld, Die Orosius-Recension dervan Dam, Stammlers Verfasserlex. 1, 236-38. Historia Alexandri M. de preliis u. Babiloths