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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Rudolf von Ems 27

Werkes. Aber eine Stimme verkündet ihm, daß ein Kaufmann in Köln, genannt der Gute Ger-hard, Gottes Gnade besser verdient habe. Der Kaiser begibt sich nach Köln und läßt sich vondem Kaufmann dessen Geschichte erzählen (Hauptteil 1126-6638). Der gute Gerhard hat in derHeidenschaft christliche Ritter und eine Königstochter aus der Sklaverei losgekauft. Er ver-anlaßt seinen Sohn, der die Prinzessin heiratet, sie ihrem früheren totgeglaubten Verlobten,dem Königssohn von England, der am Hochzeitstag in Köln erscheint, zurückzugeben. Die inEngland ihm angebotene Königskrone schlägt er aus. III. Schluß der Rahmenerzählung (V.6639-6822): Der Kaiser bereut in Buße seinen sündigen Selbstruhm.

Nachdrücklich hebt der Dichter den lehrhaften Zweck der Erzählung her-vor, die Ure: 37-76. 6881-6909 dasan da.3 rüemen^e sin (6883), die War-nung vor dem Hauptlaster, der superbia, vana gloria, und die Mahnung zurDemut. Zum erstenmal wird hier als der Held einer höfischen Erzählung einKaufmann dargestellt, aber diese andere soziale Schicht, deren Kultur imUnterschied zu der in den Ritterromanen geschilderten auf wirtschaft-lichem (Handel mit England), nicht auf kriegerischem Untergrunde beruht,ist doch höfisch erfaßt. Der Kaufmann ist ausgestattet mit den Tugendenund der Haltung eines vornehmen Herrn (s. besonders 753-804), die Hand-lung ist in höfisches Kostüm gekleidet, und prächtige Feste und Turnieredienen zur Zierde des gesellschaftlichen Lebens.

Dem Stoff liegt eine hebräisch-rabbinische Sage 1 zugrunde (überliefert im11. Jahrhundert).

Eine andere, in der Seinshierarchie höhere Stufe gegenüber dem Welt undGott vereinigenden Laien stellt sich in dem von der Welt ganz abgewendetenAsketen, dem einzig in die Gottesidee sich versenkenden Heiligen dar. DiesesMönchsideal ist in der Legende von Barlaam und Josaphat gezeichnet. 2

Inhalt: Der Einsiedler Barlaam gewinnt Josaphat, den Sohn eines christenfeindlichenKönigs von Indien, für das Christentum; und schließlich auch, nach langem Widerstreben, denalten König selbst. Josaphat zieht sich dann zu Barlaam in die Wüste zurück, wo er als Ein-siedler stirbt. 8

Wir finden hier die indische Buddhalegende wieder: 4 Josaphat istBuddha. Die Barlaamlegende wurde um 630 von einem Mönche, Johannes

1 Lit. z. Sage bei Baechtold u. Piper; dazu Gedichtes; Pfeiffer, Ausg. S. 407-09; Goe-noch R. Köhler, Kl. Sehr. 1, 5-20; Schön- deke, Grundr. I 2 , 372 f.; Franz Sohns, D.bach, Beitr. 33, 190; BoLTE-PoLiVKA 3, 490- Hss.verhältnis in R.s v. E. Bari., Erlang. Diss.517; s. auch Walth. Benary, Hervis v. Metz 1878, dazu Lambel, Germ. 25, 377-81; Piperund die Sage vom dankbaren Toten, Zfrom- S. 559-61. Spätere Funde u. Notizen:Phil. 37, 1913, 37 ff. 129 ff. Mourek, SB. d. böhm. Ges. d. Wiss. 1893;

2 Lit. bei Piper u. Baechtold. Ausg.: Schröder, ZfdA. 54, 23 f.; Ders., Anz. 48,Fr. K. Köpke 1818, dazu W. Grimm, Kl. 205; Stammler, Verfasserlex. 1, 167 ff.Sehr. 2, 235 ff.; Franz Pfeiffer 1843. 3 Eingeschaltet sind eine Anzahl kleiner Er-stellen: Reinh. Köhler, Germ. 22, 285; Zählungen, Parabeln, bispel, die auch sonst vor-Jellinek u. Kraus, ZföG. 44, 701 f. u. ö.; kommen, wie z. B. Der Mann in der Grube inIlg, Beitr. z. Gesch. d. Kunst S. 41-63. 140ff.; Hugos v. Trimberg Renner, s. A. Freybe, DasAgnes Geering, Die Figur des Kindes 1899, Memento mori in dt. Sitte, 1909, 210-15. Des99-101; Schröder, ZfdA. 67,209 ff.; Schenk- Vögeleins drei Lehren u.a. Lit. bei PiperHeld, Religionsgespräche 1930, pass.; Klap- S. 563-65; Wackernagel, LG. I 2 , 211per, Stammlers Verfasserlex. 1, 167-72. Anm. 84; vgl. Schröder, Anz. 43, 98.Parallelen zu Freidank: W. Grimm, Kl. Sehr. 4 Lit. über die Sage: Grässe, Die großen4, 17. Die große Zahl der Hss. u. Bruch- Sagenkreise 1842, 460-63; Piper S. 562 f.;stücke, etwa 40, zeugt für die Beliebtheit des ferner: Ernst Kuhn, Der Mann im Brunnen,