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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Rudolf von Ems 25

gute Gerhard ist die Schilderung des frommen Laien; nach dieser erbau-lichen Erzählung wendet sich der Dichter der Legende der nächsthöherenmenschlichen Wertstufe zu. Barlaam ist das Bild des asketischen Mönchs;dort wird das aktive, hier das kontemplative Leben dargestellt; die beidenWerke stehen im selben Verhältnis zueinander wie bei Hartmann die Er-zählung vom Armen Heinrich zur Legende von Gregorius. Dann, nachdemer mit den höfischen Adelskreisen Schwabens in Verbindung getreten war,wendete sich Rudolf im Alexander und im Willehalm zur weltlichenUnterhaltungsliteratur, doch mit der Absicht, die sittliche Aufgabe desRittertums und die ritterlichen Tugenden zu zeichnen. Die Weltchronikendlich ist ein Erzeugnis historisch wissenschaftlicher Einstellung, die äußersteSteigerung von Rudolfs lehrhafter Neigung; hier, wo die Anfänge der Ge-schichte des Gottes- und des Weltreiches berichtet werden, sind die beidenIdeen Gott und Welt nebeneinandergestellt. Alle diese Werke Rudolfssind geschichtlich bestimmt und an historische Personen geknüpft, ja, dasletzte ist selbst Geschichtsschreibung.

In den Prologen des Alexander und des Willehalm hat Rudolf eine Theorieder Dichtkunst 1 niedergelegt. Wie die gesamte mittelalterliche Wissen-schaft metaphysisch begründet ist, so auch Rudolfs Kunstlehre: der Ur-sprung der Kunst liegt in Gott, er verleiht sie. Die Darstellung der Wahrheitist der Inhalt der Dichtung. Der objektive Zweck besteht in der Belehrungund Besserung des Menschen, der subjektive Zweck, das persönliche Ziel desKünstlers, liegt in der Erringung der saelde, der Gunst der Welt, des Erfolgs.Die Aufgabe des Dichters ist Nachahmung der Meister; man kann also dieKunst erlernen, sie ist eine Wissenschaft; ars bedeutet ja in der mittelalter-lichen Wissenschaftslehre sowohlKunst" alsWissenschaft". Die Namender Meister führt Rudolf im Alexander, Prol. 11,3105-3268, und im Willehalm,Prol.II, 2173-2296, auf. Diese Dichterverzeichnisse 2 sind Gotfrids lite-rarischem Abriß im Tristan (4618 ff.) nachgeahmt (LG. II, 2, 321); sie gebeneine kurzgefaßte Geschichte der höfischen Epik bis auf die eigene Zeit. Alsdie grundlegenden Meister preist Rudolf Veldeke, Hartmann, Wolfram und

tin, D. g. Gerh. von R. v. E. in s. Bedeut. für 66; R. M. Meyer, ZfdA. 39, 306 ff.; Gruhn,

die Sittengesch., Rostocker Diss. 1889, dazu ebda 43, 266 ff.; Schröder, ebda 51, 153 f.;

Glöde, Lbl. 1891, 224 f.; s. auch J. Peter- Leitzmann, ZfdPh. 43, 313-17; Ehrismann,

sen, Das Rittertum in der Darstellung des Joh. Studien über R. v. E. S. 3-57; Herchen-

Rothe, QF. 106, 1909, 188 A. 3. bach, D. Präs. hist. im Mhd., Pal. 104, Anh.;

1 Roethe, Reinmar S. 186 ff.; Vie'tor, Beitr. S. v. Lempicki, Gesch. d. dt. Lit.wissenschaft,46, 85-124; Schwietering, Demutsformel, 1920, S.28; Naumann, Gesch. d. dt. Lit.-S. 58. 65. 69 (Meister"), S. 17 f. 20 (Gön- sprachen, 1926. Schröder, ZfdA. 67, 209-ner"), S. 9 (Fürbitte"), s. auch S.78; 251. Heinr. v. Linouwe, Euling, Die Ja-Brinkmann, Wesen u. Form, Reg. S. 194. kobsbrüder von Kunz Kistener, S. 1 ff.;

2 Lit. zu den Prologen u. Dichterverzeich- T s , CI i R0DEI i **? s - 233. Absolon Lit. Piper,nissen: J. Grimm, Kl. Sehr. 1, 89 f.; Wacker- Höf - E P- 3, 667; Schröder, ZfdA. 67, 226 f ;nagel-Stadler, A. Heinr. S. 25 f.; Johannes Ehrismann, Stammlers Verfasserlex. 13.Schmidt, Beitr. 3, 140-81; Bartsch, Germ. Gottfr. v. Hohenlohe, Schröder, Festschr.24, 1-9; Zacher, ZfdPh. 10, 95 ff.; Singer, Leidinger 1930.

ZfdA. 38, 271; Junk, Beitr. 28, 414-56; 462-