Rudolf von Ems 23
Zwei Führer: Rudolf von Ems und Konrad von Würzburg
In der neuen Zeitrichtung stehen Rudolf v. Ems und Konrad v. Würz-burg als stärkste Kräfte und ausgesprochenste Persönlichkeiten obenan. Siewaren nicht die tonangebenden Größen, denn als solche blieben Hartmann,Wolfram, Gotfrid wirksam, aber sie brachten die Denkweise der Zeit amnachdrücklichsten zur Erscheinung. Demnach wird sich für die auf die großenEpiker und ihre jüngeren Zeitgenosen folgende Nachblüte eine Teilung nachdem Generationswechsel anwenden lassen: Den ersten Abschnitt bilden dieJahre 1225-1250, in welche Rudolfs v. Ems Schaffen fällt; der zweite um-faßt die Zeit von etwa 1260 bis etwa 1290, die Wirkungsperiode Konrads v.Würzburg; der letzte Abschnitt beginnt etwa 1290 und bezeichnet den Aus-gang der höfischen Epik.
Rudolf von Ems
hat die theoretischen Prinzipien ausgesprochen, in denen sich die Grund-linien für die geistesgeschichtliche Stellung dieser empfangenden, unschöpfe-rischen Zeit darstellen. Sein Kunstgefühl beruht auf dem Epigonen-bewußtsein : der Dichter ist Nachahmer, er lernt seine Kunst von den Meistern(weiteres s. unten).
Lit.: Piper, Höf. Ep. 3,542-657. — Abh.: K. Schröder, ADB. 6,94-96; Baechtold, Gesch.d. dt. Lit. in der Schweiz, S. 96-116 Anm. S. 29-36. 215 f. Reg. S. 230; Singer, LitGesch. d. dt.Schweiz im MA. S. 20 f. 46 f.; Ders., Die Schweiz im dt. Geistesleben Reg. S. 208. — Leitz-mann, ZfdPh. 43, 301-20; Ehrismann, Stud. über R. v. E., Heidelb. SB. 1919, 8. Abh., dazuStrauch, DLz.41, 504-06; Stammler, Mitt. aus der hist. Lit.48, 1920, 18f.; Walther Rehm,ZfdPh. 52, 304 u. ö.; Friedr. Neumann, ZfDtschkde. 1928, 35 f.; Schröder, R. v. E. undsein Literaturkreis, ZfdA. 67, 209-51; Lichtenberg, Architekturdarstellungen, 1931, 19-21.30 f. 32 f. 67-9. 100. 110.
Rudolf v. Ems gehörte einem Ministerialengeschlecht der Herren vonMontfort an und hatte seinen Stammsitz in Hohenems, das im Rheintal,rechtsrheinisch auf der vorarlbergischen Seite, gelegen ist. Seine dichterischeTätigkeit liegt zwischen 1220 und 1254. Nachrichten über sein Leben 1 sindnicht auf uns gekommen; literarische Beziehungen ergeben sich aus den Wid-mungen seiner Gedichte und aus den Dichterverzeichnissen des Alexanderund des Willehalm; bezüglich seines Todes berichtet der Fortsetzer seinerWeltchronik (V. 33479-96), daß er in Italien erfolgt sei. Vermutlich hat derDichter Konrad IV., dem er die Weltchronik gewidmet hat, auf dessen Zugdorthin (1251-54) begleitet. Im Willen. 15625 ff. nennt er sich „Ruodolf, einDienstmann ze Muntfort", bloß Rudolf im Bari. 295, 16, in den Prologen desWilleh. 2164. 12241 und in den Akrosticha Ber. 405, 10 ff., Alex. 1-25 (Sin-ger, ZfdA. 38, 271 f.), Willeh. 1-7, Weltchr. 1-7 (s. auch G. Gerh. 683).
1 Leben: MSH. 4, 542 ff.; Pfeiffer, Germ. 51. — Sprache: Zwierzina, Anz. 46 Reg.
12, 478 f.; Piper aaO. S. 543; Baechtold 347. 47 Reg. S. 343; Singer, Schweizer-
aaO. S. 96 f. u. Anm. S. 29; Schröder, Rud. deutsch 1928, 102 f.; Zeeman (s. unten)
v. Ems u. sein Literaturkreis, ZfdA. 67, 209- S. 3-5.