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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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6. Die gute Frau 21

Bestand. Nun aber sind in die Fassung derGuten Frau" stark weltlicheInteressen hineinverflochten, der einheitliche Gehalt leidet unter der Ver-schmelzung weltlichen und religiösen Geistes, die Frau und schließlich auchder Mann lassen sich doch wieder zu weltlichen Ehren erheben. Auch bleibtder Dichter nur am Stoffe haften, an der äußerlichen Schilderung der selbst-auferlegten Leiden, ohne daß diese harte Weltentsagung auch eine seelischeHeiligung, eine innigere Vereinigung mit Gott und dem Ewigen in den beidenbewirkt hätte. Man hat nur den Eindruck von der Nutzlosigkeit solcherSelbstquälerei und im Grunde denkt die gute Frau auch so, wenn sie zu ihremGatten sagt: du bist noch ein junger Mann, geh, nähre dich und die Kinder(1710 f.), und wir müssen ihr zustimmen, wenn sie ihm rund heraus erklärt:du bist ganz und gar ohne Verstand (1726).

Die Erzählung ist äußerlich am Schluß an die Karlssage angeknüpft 1 (ähn-lich Floire und Blanscheflür), um den großen Kaiser zu verherrlichen. Abereben in dieser Verknüpfung des rein religiös Legendenhaften mit dem Zielweltlichen Regimentes liegt jener unvermittelte Gegensatz zwischen Welt-flucht und äußeren Ehren.

Der Dichter war durchaus Nachahmer, er hat Hartmann ausgeschrieben,auch zeigt er Kenntnis von Wolfram, Eilharts Tristrant. 2 Wiederholungen,Widersprüche zeugen von seiner Ungewandtheit. Die Darstellungsweiseist einförmig, auch seine Reimkunst gering.

b) DIE EPIGONEN

Mit der neuen Generation, 3 die nach der Hochblüte, nach den großen Füh-rern und ihren jüngeren Zeitgenossen, einsetzt, also etwa mit dem zweitenDrittel des 13. Jahrhunderts, ist ein Wandel des Ideengehaltes ein-getreten. Zwar wirkt die alte Idee, die der Romantik, der ritterlichen Phantasie-welt, noch lange fort, aber nicht mehr mit der alten Stärke; sie kommt nichtmehr aus dem inneren und eigenen Seelengrunde der Zeit, sondern sie istoberflächlich geworden, sie wird nur noch als ein Abglanz der Vergangenheitgepflegt; die neue Generation zehrt nur noch von dem alten Ideal; es ist nochin Geltung, aber es hat keinen vollkräftigen Inhalt mehr. Eine rationalistischeDenkweise in der Auffassung des Lebens beginnt Boden zu gewinnen, welchedann, zusammen mit den sozialen Kräfteverschiebungen, die geistige Physio-gnomie der beiden letzten Jahrhunderte des höfischen Epos bestimmt. Prak-tische Zwecke tun sich stark hervor, die Dichtung will bessern und belehren.

1 Grimm, Myth. S.402, 4. Ausg. 1, 356 f.; 3 Gervinus 2 6 , 52 ff.; Schneider, Helden-Sommer S. 387 f.; Ders., Flore S. XXXI f.; dichtung usw. S. 298 ff. 320 ff.; Stammler,LG. 11,2, 124. Dt. Vierteljahrsschr. 1, 1922, 529-46; Fritz

2 Sommer S. 389 f.; Saran, Hartm. v. Aue Karg, Die Wandlungen des höf. Epos inals Lyriker S. 46; Eigenbrodt S. 42 ff.; Deutschi, vom 13. zum 14. Jh., GRM. 1923,Schröder, Prager dt. Stud. aaO. S. 347 ff. 321-36; Friedr. Neumann, ZfDtschkde.Rührende Reime: v. Kraus, ZfdA. 56, 37 f. 1928, 35 f.; Walter Rehm, ZfdPh. 52, 289ff.