18 Die erzählende Dichtung
künstlerischen Begabung der Zeiten. Die älteste deutsche Bearbeitung istder Trierer Floyris, „die limburgische Version" (LG. II, 2, 64 f.). Flecks höfi-scher Roman überragt an poetischem Gehalt weit alle andern deutschen Fas-sungen. In ripuarischem Dialekt ist ein Bruchstück erhalten (183 verstüm-melte Verse). 1 Verwandt mit diesem ist das mittelniederdeutsche Gedicht Flosund Blankflos (14. Jh.). 2 Flecks Gedicht wurde in eine nüchterne, stellen-weise abweichende Prosabearbeitung verflacht. 3 Gefühlvoller mutet derProsaroman an: Ein gar schone newe Histori der kochen lieb des kuniglichenfursten Florio vnd von seyner lieben Bianceffora, gedruckt 1499 und dann öfter,der auch in das Buch der Liebe 1578 und 1587 überging. Der Prosaroman istaus dem Filocolo des Boccaccio übersetzt. Hans Sachs hat ihn dann in einemSchauspiel dramatisiert (1551).
Uns klingt diese Kinderliebe wie ein Märchen, aber das Motiv ist ein ausdem Orient eingeführtes Kunstprodukt, das so ganz auf die Idealwelt derminneseligen Hofgesellschaft gestimmt war. Schon durch den Ursprung unter-scheidet sich die Floresage von dem Artuskreis. Dieser ist aus dem Urquellirischer Mythen und Sagen entsprungen, Märchen von Feen und dem Landohne Wiederkehr liegen zugrunde und allerhand Zaubereien, dagegen in derFloresage nichts von abendländisch volkstümlichen Märchenmotiven. InBlumen verwoben ist die Erzählung, die Kinder sind nach Blumen benannt,Floire und Blanscheflür, Blume und Weißblume, Rose und Lilie. 4 An paskeflörie (V. 595), d. i. Pascha floridum, palmostern (V. 577; bluomöstertac Palm-sonntag, bluomosteräbent Lexer 1, 315 f.) sind die Blumenkinder geboren.Über den lyrischen Schmuck hinaus wird das Blumenmotiv zu einem Gipfelder Handlung in der List mit dem Blumenkorb (5520 ff.).
Konrad Fleck hat seine ca. 3000 Verse umfassende französische Vorlageauf 8000 Verse erweitert. Seine Änderungen bestehen nicht in selb-ständigem Eingreifen in den Inhalt, sondern in Erweiterung durch oft aus-^gedehnte Schilderungen und Beschreibungen, Gefühlsbewegungen, altklugeReflexionen der Kinder über die Minne, Motivwiederholungen. Er macht alsovon der üblichen Freiheit der deutschen Übertragungsweise (s. LG. II, 2,87 ff. 163 ff. 175. 236 f.) reichlich Gebrauch, 5 hat aber dadurch die flotte Er-zählung der französischen Quelle oft ins Breite gezogen.
1 Hgb. v. H. Schafstaedt, Flors u. Blanze- 4 J. Grimm, Über Frauennamen aus Blumen,flors, Progr. Mühlheim a. Rh. 1905/06, dazu Kl. Sehr. 2, 396 f.; Wackernagel, Kl. Sehr.J. Franck, DLz. 1906, 2502 f.; Jan van Dam, 1, 211. 219; Uhland, Schriften 3, 415 f. u.Stammlers Verfasserlex. 1, 623 f. Anm. S. 496 ff. — Sommer, Ausg. S. XXX f.
2 Hgb. von Stephan Waetzold, 1880; Otto u. Anm. zu 595. — Rose und Rebe auf demDecker, 1913. — L. Wolff, Stammlers Ver- Grabe Tristans u. Isoldes als Symbol unzer-fasserlex. 1, 623-26 (mit weiterer Lit.). trennlicher Liebe s. LG. II, 2.
3 Hs. Züricher Kantonsbibl. von 1475. Ab- 5 Vergleich zwischen Fleck und der voraus-gedr. bei Herzog, Germ. 29, 218-26 (s. zusetzenden franz. Quelle: Sommer, Ausg.S. 149 f.); Bachmann u. Singer, Dt. Volks- S. XII-XIV; Heinr. Sundmacher, Die afrz.bücher, LitVer. Nr. 185, 1889, S. 4. 16 ff ; u. mhd. Bearbeitung der Sage v. Fl. u. Bl.,Ernst aaO. S. 25-34; L. Wolff, Stammlers Gott. Diss. 1872, 21—46.
Verfasserlex. 1, 624-26.