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Die erzählende Dichtung
5. Konrad Fleck, Floire und Blanscheflur l
Während die Artusromane den heroischen Geist des Rittertums in Helden-taten und kriegerischen Abenteuern auslösen, hat das lyrische, sentimentaleMinneideal in der Liebesgeschichte von Floire und Blanscheflur epische Ge-staltung gewonnen.
Schon in der frühmhd. Periode hat die Liebesgeschichte der beiden Kindereinen Dichter gefunden in dem Verfasser des niederrheinischen „TriererFloyris" (LG. II,2,64f.). Der Alemanne Konrad Fleck gab etwa fünfzigJahre später, um 1220, der Sage, ohne seinen rheinischen Vorgänger zukennen, eine vollhöfische Prägung. Von seiner Person wissen wir nichts, seinenNamen erfahren wir nur aus den beiden literarhistorischen Stellen Rudolfsv. Ems im Alexander (3239^8) und Willehalm (2219-23 {Her Flec der guoteKuonrät). Man wird nicht fehlgehen, wenn man seine Heimat in die Gegendvon Basel verlegt. 2
(U.) von Strickers Gedicht mit einigen Stückenaus Enikel (s. unten) wurde, in Prosa auf-gelöst, der prosaischen „WeihenstephanerChronik" (zweite Hälfte des 15. Jh.s) ein-verleibt. Gaston Paris, Hist. poetique deCharlemagne, Paris 1865 (Neudruck 1906)S. 225. 294. 502; Ders., Un manuscript in-connu de la Chronique de W., Romania 11,1882, 110-14. 409 f.; Wilhelm, Gesch. derhandschriftl. Überlieferung von Strickers Karld. Gr., 1904, 22-25; Otto Freitag, Die sog.Chron. von Weihenstephan, ein Beitr. zurKarlssage, Hermaea 1, 1905, dazu Helm,Lbl. 1908, 12, Spiller, Cbl. 57, 1082. — An-dere Bearbeitungen aus dem Kreise der Ge-schichte Karls und aus der Karolingersage:Bruchstücke einer dt. Bearbeitung der VitaKaroli magni Einharts: Wilhelm, Denk-mäler dt. Prosa des 11. u. 12. Jh.s, Münch.Texte VIII, 131 f. u. Kommentar 2. HälfteS. 240-43 (Prosa, 13. Jh.). Über Karlmeinets. unten. Die Geschichte von Karls Leben,politischen, kriegerischen u. kulturellen Tatenenthält die Kaiserchronik V. 14309-15091;E n i ke 1 s Weltchronik V. 25 539-26 550[27652];über Heinrichs v. München Chronik, dieGothaer Weltchronik u. a. s. Wilhelm, Über-lieferung von Strickers Karl S. 223-74. EineReimerei von 367 Versen über Karls Besiegungder ganzen Welt, wobei die Roncevalschlachtim Mittelpunkt steht, und seine frommen Stif-tungen ist in der Limburger Hs. eingeschal-tet (Wyss, ZfdA. 30, 63-71). Ein Gedicht ausder Mitte oder dem späteren 14. Jh. eines Re-gensburger Geistlichen, „Karl d. Gr. u. dieschottischen Heil igen", über dieGeschichteder Schottenklöster in Regensburg, die nachder Sage Stiftungen Karls waren (Ch. Cop-land Perry, Marbg. Diss. 1892). Auch zumVolksbuch ist das Leben Karls d. Gr. geworden(15. Jh.), Bachmann u. Singer, Dt. Volks-bücher aus einer Zürcher Hs. des 15. Jh.s., Lit-
Ver. 185; Suchier, Germ. 17, 355; s. LG. II,2, 286 Anm. 2; U. Kletzin, Das Buch vomheil. Karl, eine Züricher Prosa, Beitr. 55,H. 1/2. — Endlich die aus dem niederländi-schen Karolingerkreis stammenden Romanedes 15. Jh.s, Ogier usw., s. unten.
1 Ausg.: Chr. H. Myller, Samml. dt. Ged.aus dem 12., 13. u. 14. Jh. II, 1784; EmilSommer, 1846; Wolfg. Golther, Tristan u.Isolde und Flore u. Blanscheflur II, Kürsch-ners Dt. Nat.-Litt. Bd. IV, 235 ff. (mit Lit.)[1888]. Lit.: Baechtold, Gesch. der dt. Lit.in der Schweiz, S. 92-96 u. Anm. S. 28 f.;Piper, Spielmannsdichtung 2, 299 f., Nach-trag: Höf. Ep. 3, 715; C. v. Kraus, Mhd.Übungsb. 1 S. 247-51; Hartl, Stammlers Ver-fasserlex. 1, 618-20. — Zwei Hss. u. zweiBrachst., s. Sommers Ausg.; Carl H. Ri-schen, Bruchstücke aus K. Flecks Fl. u. Bl.nach den Hss. F u. P unter Heranziehung vonB H, 1913, dazu Gierach, DLz. 1914,2078-80,Götze, Lbl. 1916, 169 f., Cbl. 65, 198, Rich-ter, Arch. 133, 241, Piquet, Revue germ. 10,397; R. Kautzsch, Diebold Lauber S. 42;Lambel, Festschr. z. 8. allg. dt. Neuphilologen-tage 1898, 37-58. — Textkrit.: Bartsch,Quellenkunde S. 60-86; Golther, Ausg.S. 245; C. v. Kraus aaO. — Übersetzungen:Golther ebda; Pannier bei Reclam; Jo-hannes Ninek, Fl. u. BL, ad. Versromanvon K. FL, in neuem Reime und mit Erläute-rungen dargeboten, 1924, dazu Schröder,Anz. 44, 73 f., Golther, Theutonista 2, 1926,137.
2 Leben u. Heimat: Pfeiffer, Freie Forsch.S. 151-160; Steinmeyer, ZfdA. 21, 319;v. Kraus aaO. — Baechtold, Anm. S. 28f.;Grimme, Alem. 21, 191 f.; Schröder, Anz.44, 73ff.; Martin, Straßb. Philol.-Vers. 1901,u. Singer, Die Schweiz im dt. Geistesleben,S. 197, halten ihn für einen Elsässer.