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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Strickers Karl der Grosse 15

Das Gedicht hat keine weite Verbreitung gefunden, auch sind nur wenigeAnzeichen über sein Fortleben vorhanden, doch hat der Pleier in seinem,Garel vom blühenden Tal' Strickers Daniel wieder aufleben lassen. 1

Die Rhythmik ist ziemlich frei, die Reimbindung ist, besonders durchdie Zulassung mundartlicher Formen, nicht streng schriftsprachlich. 2 Auchdie Ausdrucksweise hält, sich auf einfacher Linie. 3

Strickers Karl der Große. 4

An eine große Aufgabe hat sich der Stricker gewagt durch die Erneuerungdes Rolandsliedes vom Pfaffen Konrad, dessen freiere Form er in die ge-regeltere Versmessung und reine Reimkunst des 13. Jh.s übertrug. Als Heldenseines Gedichtes betrachtet der Stricker Karl, den er den reinen, den heiligennennt (63.100), sante Karle (12206), und er beginnt mitPippin und der JugendKarls. Den Zweck seiner Arbeit spricht er im Eingang (V. 115 ff.) aus: Dizist ein alte3 mcere. nu hat ej der Strickxre erniuwet durch der werden gunst, dienoch minnent hoveliche kunst. Diesen Zweck, den höfisch Gebildeten gefälligzu sein, hat er erreicht, denn das Gedicht war sehr beliebt. Aber indem er diegesellschaftlichen Formen mehr geglättet, Leidenschaftsausbrüche gemildert,reckenhafte Kraft gedämpft hat, ist der heroische Charakter des alten Liedesabgeflacht worden. Es gelang nicht, die feierliche Erhabenheit, die von derGestalt des großen Kaisers aus sich dem ganzen Gefüge der Ereignisse mit-teilte, in die höfische Ritterwelt des 13. Jh.s umzustilisieren. Und schließlichlag ein großer Teil der Beliebtheit, die die Umarbeitung gewann, in demhistorischen Stoffe und in dem chronikalischen Interesse der Epigonen fürgeschichtliche Begebenheiten, wie denn das Gedicht in spätere Weltchroniken,wie die Heinrichs v.München, und in Weltchronikhandschriften aufgenommenwurde. 5

1 Rud. v. Ems erwähnt ihn, s. oben; Spuren 4 Lit.: Piper, Spielmannsdichtung 2, 113in Konrads v. Stoffeln Gauriel, in Meister 116; Ders.,Höf. Ep.3,86 f. Ausg.: Bartsch,Altswerts Spiegel (14. Jh.): Rosenhagen, 1857, dazu Germ. 32, 488-90. Abh. Friedr.Unters. S. 116 ff.; Anklänge an Wolfdietrich: Wilhelm, Die Gesch. der handschriftl. Über-Schneider, Wolfd. S. 271. lieferung von Strickers Karl d. Gr. 1904 (darin

2 Jensen S. 46-108; Rosenhagen, Unters. Lit. S. 3-27), dazu Panzer, DLz 1905, 1815f.,S. 24-47; Blumenfeldt S. 19-22; Brietz- Ehrismann, Anz. 30, 194-201, Rosenhagen,mann, Die böse Frau, Pal. 42, 1912, 83-102; ZfdPh. 38, 540-543, Piquet, Rev. crit. 1905,K. Waelzel, Reimwörterbuch u. Verzeichn. 1, 447 f.; Wilhelm, Beitr. 33, 335 f.; Schenk-der Reimwörter ausDaniel v. d. bl. T." u. held, Religionsgespräche 1930, pass. Hss.demPf. Amis", Münch. Texte VIII, 1925, u. Bruchstücke über 40: Bartschs Einl.dazu Wesle, ZfdPh. 54, 454-57; Behaghel, S. XXXVI ff.; C. v. Jecklin, Germ. 22, 129-Lbl. 1928, 256 f.; Piquet, Rev. germ. 19, 291; 166 u. Leipz. Diss. 1875; maßgebend Wil-v. Kraus, ZfdA. 56, 35 ff. Zum Stil: Jos. helm, Dt. Gesch. usw.; Ders., Zur Karlüber-Nabel, Die Nachstellung des Adjektivs beim lieferung, Beitr. 32, 85-98; Ders., Bruchst. ausStricker, Grazer Diss. 1921. Fremdwörter: Linz, Münch. Mus. 4, 125-28; nach Wilh.Rosenhagen S. 50 f.; Suolahti aaO. gefunden: Schönach, Brünner Fragm., ZfdA.

3 Stilistisches: Jansen aaO.; Brietzmann 47, 446-448; Rob. Gragger, Ungar. Bibl. IS. 103-19; Brinkmann, Wesen u. Form Reihe 2; s. Schröder, Anz. 41, 94. SieheS. 118. 131. 142; Hans Mast, Stilistische Morant u. Galie, LG. II, 2, 123-27 u. inUntersuchungen an den kleinen Gedichten des diesem Band unter Karlmeinet. Das BuchStrickers mit besonderer Berücksichtigung des vom heiligen Karl s. unten unter Prosa-volkstümlichen und des formelhaften Ele- romane.

mentes, Basel Diss. 1929. 5 Eine gereimte Umarbeitung und Erweiterung