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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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3. Heinrich von dem Türl!n, Die Krone 11

lieh gehörte er dem urkundlich öfter belegten, angesehenen Bürgergeschlechtgleichen Namens in St. Veit in Kärnten an. Für die Abfassungszeit istbestimmend sein Nachruf auf den um 1210 verstorbenen Hartmann (2348-2455), wonach die Krone also zwischen 1215 und 1220 gedichtet ist. Er hat,wie seine Kenntnisse in der lateinischen Literatur und eingestreute lateinische(bzw. italienische) Wörter schließen lassen, eine gute Schulbildung genossen.

Über den Titel 1 ,Krone' gibt er am Schluß (29890) eine längere Aus-legung: er vergleicht sich einem Goldschmied, der eine goldene, mit edelnSteinen geschmückte Krone verfertigt; mit dieser will er die edlen Frauenkrönen (29989 ff.), die Edelsteine sind die erzählten Abenteuer.

Mehr als jeder andere mhd. Romandichter sucht Heinrich v. d.T. durchdie erdrückende Stoffmasse zu wirken. Dabei durchbricht die Einschachte-lung immer wieder den geraden Verlauf der Ereignisse, so daß der Verf. sichoft selbst nicht mehr zurechtfindet und in Widersprüche verwickelt. DerDichter war sich offenbar über den Arbeitsstoff nicht klar, denn am Anfangbehauptet er, er wolle von künec Artus ein meere sagen (218 f.), am Schlußheißt es, daj alle äventiure vonGäweines tiure sagent (29913-15). Aus dem an-fangs geplanten Artusroman ist ein Gaweinroman geworden. Im Gesamt-umfang ist das Gedicht ein Gaweinroman, der sich vor dem Hintergrund desArtushofes abspielt, nur daß Artus stärker in die Handlung eingreift. AufSchritt und Tritt stößt man dabei auf bekannte oder entlehnte Motive(Becherprobe: nur wer in der Minne treu ist, kann ohne Verschütten aus demBecher trinken [918-3131]; Handschuhprobe [22990-24692]; Raub derGinover; das Maultier ohne Zaum u.a.). Von 12611 an ist Gawein, der je-doch auch schon vorher geabenteuert hat, der Held der Erzählung. SeineTaten lassen sich in zwei Hauptgruppen zusammenfassen: Zusammentreffenmit zwei Zauberern, einem freundlich gesinnten, Gansguoter, und einemfeindseligen, Fimbeus. Gegenüber diesen platten Geschichten gewinnt dasdem Parzival Wolframs und Chrestiens (bzw. dem ungenannten Fortsetzer)nachgebildete Gralabenteuer Gaweins. Auch er tut die Frage, aber Heinrichv. d. Türlin hat keine Ahnung von der tiefen Symbolik des WolframschenGrals, und für ihn ist er nur ein Abenteuer unter andern, Gawein bleibt bis zumSchluß der Chevalier errant, der Gefahren aufsucht (25837). Und eben da-durch, daß der Dichter meint, seinen Gawein mit dem Parzival Wolframsund Chrestiens in Konkurrenz treten lassen zu können, beweist er seine eigeneMinderwertigkeit. 2

Während der Lanzelet und der Wigalois deutlich die Grundzüge keltisch-irischer Mythologie und Sage erkennen lassen, deutet in der Krone der Stoffnur in einzelnen Episoden auf solchen Ursprung hin. Hier sind die ritterlichen

1 Schwietering, Demutsformel S. 55 ff. sind Zusatz eines Schreibers. Pfeiffer, Anz.Rud. v. Ems faßt in seinem Alexander (3219- f. Kde. d. dt. Vorz. 1854, 32; Haupt, ZfdA. 13,28) den Namen AHer äventiure kröne als Krö- 321-23; Graber, ZfdPh. 42, 329-31 (da-nung, Gipfel aller Abenteuerromane auf. gegen Ortner, ebda 44, 215-18); Gülzow,

2 Die letzten auf V. 30000 folgenden 41 Verse ebda 45, 62-66; Helm, Beitr. 39, 390-98.