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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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2. Wirnt von Grafenberg, Wigalois 9

mythus ist in den christlichen Höllenglauben übertragen und der Toten-dämon ist zum Teufelsbündler geworden. So ist der Entwurf des märchen-haften Grundstoffes der gleiche wie im Lanzelet: I.Teil, Verlockung ins Feen-reich; II. Teil, Eindringen ins Totenreich. Was man die eigentliche Wigalois-sage nennen kann, ist: Befreiung einer bedrängten Fürstin, verbunden mitder Teufelsbündlersage.

Über seine Quelle 1 äußert sich Wirnt am Schluß 297, 22 ff. = V. 11686ff.(s. auch 20, 15 ff. = V. 595 ff.): er hat die äventiure aus dem Munde einesKnappen erfahren. Das Original (0), ein französischer Versroman, ist nichtmehr erhalten, aber verwandt mit diesem ist der französische Roman Li BeiInconnu (Li beaus desconeus) des Renaud de Beaujeu für Wig. 42, 9-86, 30= V. 1473-3254. Außerdem hat Wirnts Gedicht einige wichtige Teile mit demafrz. Papageienroman gemein (Prosaroman Chevalier au papegau). Das fran-zösische Original und der Papageienroman haben aus der gleichen (ver-lorenen) französischen Quelle geschöpft.

Von der Verbreitung und Beliebtheit des Wigalois zeugen die vielen Hand-schriften. Bei den nachfolgenden Dichtern stand er in hohem Ansehen, 2 auchwurde sein Wigalois noch lange später neu bearbeitet, 3 dem betreffenden Ge-schmack entsprechend: Ulrich Füetrer nahm ihn in sein Buch der Aben-teuer auf, in Prosa bearbeitet wurde er 1472, und diese Bearbeitung wurde dannoft als Volksbuch gedruckt, 4 auch ins Dänische und von da ins Isländischeübersetzt, und im 16. Jahrhundert brachte Josel Witzenhausen 5 das Volks-buch in j üdisch-deutsche Reime (Von König Artus Hof... und von dem berühm-ten Ritter Widuwilt), die dann 1786 wieder in Prosa aufgelöst wurden, in der tra-vestierenden Manier der Aufklärungszeit alsein Ammenmärchen" behandelt.

Aber bedeutsamer als alle diese literarischen Nachwirkungen ist, daß Wirntzum Träger einer das christliche Gemütsleben auf tiefste ergreifenden Vor-

A. 1; Ders., Publications of the Mod. Lang. Ass. (Panzer S. CXV ff.)- In der Kudrun trägt eine

of America 20, 1905, 697 ff.; Bolte-Poüvka 1, Nebenperson den Namen Wigaleis (Str. 582.

547. Müllenhoff, ZfdA. 11, 254 f. 715. 959; Martin, Große Ausg. zu Str. 582;

1 Quellenforschung: Saran aaO.; Lit.: Saran, Symons, Ausg. 2 S. XCIII A. u. Str. 582; Pan-Beitr. 21, 281; später: Wechssler, Vollmöllers zer, Hilde-Gudrun S.237. 291. Im VolksbuchRoman. Jahresber. 4, 2 (1901), 398; Singer, vom gehörnten Siegfried (Golther, Das LiedWolframs Stil S. 124; Golther, Gralbuch vom Hürnen Seyfried S. 61 f.). Im WolfdietrichS. 124 ff. Schneider, Wolfdietr. Reg. S.409. (Schneider, Wolfdietr. Reg. S.419). Im Bite-410. rolf (Rauff, Untersuchungen z. Biterolf u. Diet-

2 Pfeiffers Ausg. S. XVI f.; Heinr. Meisner, leip 1907; Leitzmann, Festschr. Sievers 1925,Wirnt v. Gr., Beitr. zur Beurteilung seiner lite- 550-553). Keine Beziehungen zwischen Wiga-rarhistor. Bedeutung, Brest Diss. 1874, 1-18; lois u. Winsbeke: Leitzmann, Beitr. 13, 275-Saran, Beitr. 21, 257 f. 22, 151.Heinr. v. d. 77. Der Name Wigalois drang auch insTürlin beruft sich auf ihn,Krone2942.2949(NiED- Privatleben als Personenname (Panzer, Fest-ner, Das dt. Turnier, 1881, 16); Rud. v. Ems sehr. Sievers 1896, 210; Kegel, Verbreitung derpreist ihn im Alexander 3192-98 (Junk, Beitr. mhd. erzählenden Lit. S. 102 ff.).

29, 425) und im Willehalm 2201-05; Püterich in 3 Beneckes Wigalois-Ausg. S.XXVII-XXXI;

seinem Ehrenbrief (1462). Entlehnungen in Meisner aaO.

Strickers Daniel (Rosenhagen, Untersuchun- * Goedeke, Grundr. I 2 , 342.

gen über Daniel..., 1890, pass.); Wigamur 5 Schröder, ZfdA. 38, Ulf.; Leo Landau,

(Sarrazin, Wigamur, QF. 35); bei Herm. Hebrew-German romances and tales usw. I. Ar-

Fressant (H.-Fr. Rosenfeld, Mhd.Novellen- thurian legends. Teutonia H. 21, 1912; dazu

stud. 1927, 38 ff.); im Seifrid de Ardemont Petsch, Arch. 132, 175-81.