1. Ulrich von Zatzikhoven, Lanzelet 5
Der IL Teil (4960—8040) beruht auf ganz anderer Grundlage, er gehört als Raub der Ginoverder Lanzelotsage an: Der König Valerin verlangt von Artus dessen Gemahlin, wird von Lanzeletbesiegt (4961—5415), folgen weitere Abenteuer Lanzelets, er gewinnt die Königin von Pluris undfeiert wiederum eine „fröhliche Hochzeit" (5416-5573). Dann folgt die Mantelprobe: ein Mantel,der nur einer makellosen Dame paßt, ist den verschiedenen Schönen der Tafelrunde bald zukurz, bald zu lang, nur der treuen Iblis sitzt er untadelig (5574-6228). Lanzelet, von Artusritternabgeholt, brennt der Königin v. Pluris durch (6229-6672). Ginover wird befreit. Dann erlöstLanzelet eine in einen Drachen verzauberte Jungfrau durch einen Kuß (7817-8040). Schluß (8041—9432): Lanzelet nimmt sein und der Iblis Reich in Besitz, beide herrschen lange in Freuden undsterben am gleichen Tage.
Die Quelle des Stoffes ist die keltische, irische Heldensage, die auf demMythus vom Jenseits beruht. Das Thema des ersten Teiles lautet als bekannteMärchenformel: Verlockung eines Helden durch eine Fee mit dem Zweck, ihnzu ihrem Rächer an ihrem Feind zu erziehen. Die beiden Vorstellungen vonder andern Welt, die glücklichen Inseln mit den freundlich gesinnten Gott-heiten, den Feen, und das Totenreich der feindseligen Dämonen sind hiervertreten durch das maienwonnige Eiland der Meerfei und andererseitsdurch das Totenschloß, Schatel le mort, des bösartigen Mabuz (3550), auchdurch die Burg Limors des Liniers. Auch der II. Teil, der Raub derGinover, 1 stammt aus demselben keltischen Volksglauben: Valerin, der Herrvom Verworrenen Tann, ist die vermenschlichte Umbildung des Todes-dämons.
Ulrichs Vorlage, „das wälsche Buch" des Huc v. Morville 2 ist uns ver-loren, große Beliebtheit hatte dagegen der Lancelot Chrestiens v. Troyes, ge-nannt conte de la charette, Karrengeschichte. Ulrichs französische Vorlagewar älter als Chrestiens Karrenritter, beide aber gehen auf eine gemeinsame— verlorene — französische Vorlage zurück. Aus der gleichen französischenUrfassung der Lanzelotsage wie Chrestiens und Zatzikhovens Versromanestammt auch der französische Prosaroman (um 1225), der dann weite Ver-breitung fand (italienisch, spanisch, portugiesisch, altenglisch, mittelnieder-ländisch) und auch in verschiedenen Versionen ins Deutsche übertragen wurde. 3Ein Bruchstück dieses ältesten deutschen Prosaromans, mit nieder-
1 Der Raub der Ginover war eines der bekannte- geburt d. Epos 1910, 50; Ders., Aufs. u. Vortr.,sten Artusabenteuer, Hartmann erzählt ihn im 1912, 155 ff.; Ders., Wolframs Stil, 1916, 124;Iwein 429M302. 4526-4726, Wolfram spielt im Ders., Literis 3, Sept. 1926, 129.
Parz. darauf an (VII, 343, 19 ff. 387, 1 ff.; XII, 3 Arthur Peter, Die dt. Prosaromane von8 ff. Rosenhagen, Festschr. Sievers 1896, 231- Lanzelot, Germ. 28, 129-85; Ders., Ulr. Füete-36; Ders., ZfdPh. 29, 150 ff. — Auch viele ein- rers Prosaroman v. Lanzelot hgb., LitVer. 175,zelne Motive in Ulrichs Gedicht gehören zum 1885. — Konr. Hofmann, Über ein nd. Lance-Bestand der Artusromane und finden sich auch lotfragm., Münchn. SB. 1870 II, 1, 39-52; Be-sonst:Lanz.426ff. (geißelschlagender Zwerg) im haghel, Germ. 23, 441-44; Rosenhagen,Erec; 3601 ff. (geistige Umnachtung) u. 3889ff., ZfdPh. 29, 153 f.; Schröder, ZfdA. 59, 161 f.4185 ff. (Zauberquelle) im Iwein; Parz. wächst 60, 148-51; Ders., Neuphil. Mitteil. 33, 1932,ebenfalls in der Menschenferne auf; Lanz. 1113ff. 22-26. — Bobertag, Gesch. d. Romans I,(Messerkampf) u. 7817 ff. (Drachenkuß) im 1876, 57; Scherer, Anfänge d. dt. Prosa-Wolfdietrich, romans, QF. 21, 1877 S. 10. — Märtens, Zur
2 Frz. Quelle: Golther, ZfrzSpr. 22,2 (1900); Lancelotsage, Rom. Stud. 5, 557 ff.; Firmery,Gruhn, ZfdA. 43, 301; Rosenhagen, ZfdPh. Notes crit. sur quelques traductions allemandes,29, 150 ff.; Ders., Untersuchungen üb. Daniel 1901, 146-50. — Goedeke, Grundr. I 2 , 353.
v. Blühenden Tal 1890, 65 A; Singer, Wieder-