Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
105
Einzelbild herunterladen
 

V,;md I.

TU. Abschnitt: Heeresbewegtmgen nach der Mosel. Schlacht bei ColombeyNouilly.

105

des I. Armeekorps. Konnte es sich auch bei der Nähe derPestungswerke von Metz nicht um dauernden Aufenthaltin diesen Orten handeln, so galt es doch, den zahlreichenVerwundeten daselbst Hilfe zu bringen und ihre üeber-(Shrung in gesicherte und geregelte Lazarethverhältnisse%e vermitteln.

Nach Nonilly begaben sich vom I. Armeekorps diePeldlazarethe 7. 11 und 8, letzteres, um alsbald in das nahegelegene Noisseville überzusiedeln. Da militärische Rück-sichten Nouilly als Lazareth aufzugeben zwangen, so wurdendie Leichtverwundeten nach Teterchen und Saarlouis eva-kuirt, Diejenigen aber, bei welchen ein längerer Transportansgeschlossen war, auf Krankentragen nach Noissevilleübergeführt. Bis zum 19. August waren beide Lazarethe zuNouilly geräumt.

Das 8. Feldlazareth I. Armeekorps nahm in Noissevilledie besten Häuser, das Schulhans und eine villenartigeBesitzung, in Anspruch. Weiterhin ward in diesem Ort,nach der Räumung Nonillys, eine Scheune belegt und eineBaracke zu 14 Betten errichtet. Indessen konnte auchNoisseville wegen seiner militärischen Bedeutung und imHinblick auf seine starke Belegung mit Truppen auf dieDaner nicht zu Lazarethzwecken verwendet werden, vielmehrsiedelte das 8. Feldlazareth am 27. August mit 68 Ver-wundeten nach Chäteau Gras über und blieb hier in an-gestrengter Arbeit bis zum 3. Oktober.

In Lauvallier, einem Gehöfte,und einer Gerberei bestand, etablirUnterstützung d^ 5. und. 6. Peldlazareths I. Armeekorpsdas 2. Feldlazareth dieses Korps und nahm daselbst 1(10Verwundete auf. Da das Lazareth wiederholt durch SchüssevomFort St. Julien, welche vorüberziehenden Truppen galten,gefährdet wurde, musste am IS. und 19. Augnst der ver-bliebene Bestand nach Schloss Montoy übergeführt werden.

Hier und in La Planchette, einer kleinen .Meierei, hattesich das 6. Feldlazareth I. Armeekorps eingerichtet. WährendLa Planchette sich für Lazarethzwecke nur wenig' eignete,enthielt Montoy eine Reihe entsprechender Lokalitäten. ImGanzen kamen in beiden genannten Orten 283 "Verwundetezur Aufnahme, von wehdien nach umfangreicher Evakuation41 am 18. August, an das Lazareth-Reservepersonal I. Armee-korps übergeben wurden.

Das 12.Feldlazareth I. Armeekorps liess sich in Colombeynieder, um daselbst, bis zum 20. August 148 Verwundete,darunter 77 Franzosen, zu verpflegen. Nur ein kleiner'Theil der Verwundeten hatte in dem Schlosse Aufnahmelinden können, die grosse Mehrzahl lag in dumpfigen Kuh-ätällen, Gesinderäumen und einer Scheune. Die FranzösischenVerwundeten wurden höherem Defehle zufolge Französischenfreiwilligen Krankenpflegern anvertraut, leichter verwundeteDeutsche konnten zu Wagen nach Courcelles entlassen'erden. Vom 17. August ab versah die erste Sektion des'- Feldlazareths den Dienst in Colombey allein, währenddie 2. in Chäteau Aubigny ebenfalls bis zum 20. August

SuütMs-BericM ibei <li.' Deutsches Heere 1870/71. I. Bd.

Der.

das aus einer Brauereuirte sich zunächst mit(

bei einer Anzahl Nichttransportabler thätig blieb, welchevorübergehend von dem 10. Feldlazareth VII. Armeekorpsbehandelt worden waren.

Seitens dc^ Yll. Armeekorps wurden in Fange undColligny die Feldlazarette \o. 9 und 7 etablirt.

Das 9. Feldlazareth hatte schon am 14. August 5 UhrNachmittags seinen Biwakplatz in der Nähe des DorfesFange verlassen und war nach 1 '/jstündigem scharfen Trabeauf dem Schlachtfelde angelangt. Es nahm bei einbrechenderDunkelheit Besitz von einem Gehöft nahe dem Dorfe Montoy,nur 1500 Schritt von den änssersten Befestigungen derStadt Metz entfernt, und brachte dem seit .Mittag daselbstin erschöpfender Thätigkeil begriffenen">. Sanitätsdotache-ment I. Armeekorps, dessen Kräfte dem immer neuenAndränge der Verwundeten nicht mehr gewachsen waren,willkommene Unterstützung. Im Erdgeschosse des Gehöftes,woselbst sich reichliche Strohvorräthe vorfanden, richtetedas Lazareth sofort einen Verbandplatz ein und lagerte dieVerwundeten im eisten Stockwerk, in Scheunen und Ställen.Der Hof wurde durch Bretterleguhg gangbar gemacht, durchFackeln und ein grosses Wachtfeuer beleuchtet. Die Auf-suchung angemessener Räumlichkeiten veranlasste sodanneinen Theil <U'^ Lazareths, sich nach dem eine Viertel-stunde von Montoy entfernt liegenden Dorfe Coincy zu be-geben. Daselbst befand sich seit dem Nachmittag des14. August der dem feindlichen Granatfeuer in vollem Maassoausgesetzte Verbandplatz der 2. Sektion des 1. Sanitäts-deiachemenls VII. Armeekorps, auf welchem gleichwohleine grosse Anzahl Schwerverwundeter die erste Hilfe ge-funden hatte. Während der ganzen Nacht waren neue,meist ebenfalls Schwerverwundete zugegangen und zumTheil auf freier Dorfstrasse, unter dem begünstigendenUmstände einer klaren Sommernacht, von dem Personaldes Verbandplatzes und des Lazareths verbunden worden.

Da indessen ausser strategischen auch hygienische Rück-sichten eine eigentliche Etablirung (\< x ^ Lazareths sowohl in.Montoy als in Coincy verhinderten, erhielt dasselbe amMorgen des 15. August Befehl, nach dem zwei Stundenweit entfernten Dorfe Fange zurückzugehen und dort sicheinzurichten. Dieser in flachem, von der rasch dahin-strinnenden Xied durchschnittenem Gebirgskessel gelegene Ort gilt als der gesündeste Funkt jener ganzen Gegend.Auch dort war der Andrang der Verwundeten noch sogross, dass vor allem Anderen sich die Notwendigkeitherausstellte, am Eingang des Dorfes einen Verbandplatzanzulegen, von welchem aus alle irgend Transportablen nachSpeisung, Erquickung und unaufschiebbarer ärztlicher Hilfe-leistung sofort weiter rückwärts entlassen wurden. DasSchloss. die hellen luftigen Räume der Schule in wehdiensich auch eine Anzahl guter, eiserner Bettstellen vorfandund mehrere andere sehr geeignete Räumlichkeiten gewährtenden zurückbehaltenen Schwerverwundeten eine allen An-forderungen der Hygiene entsprechende Unterkunft. liiszum Morgen dc< 17. August hat das Lazareth, welches am

14

7-