Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
100
Einzelbild herunterladen
 

100

ITI. Kapitel: Thätigkeit der Sanitätsdetachement«, Feld- etc. Lazarethe.

Band I.

denen 1 Sanitätsdetachement die erste Hilfe geleistet undnacheinander H Feldlazarette für ihre weitere Behandlungzu Gebote gestanden haben. Die Feldlazarethe haben inihrer zwei- bis dreimonatlichen Thätigkeit etwa viermal soviele Kranke als Verwundete verpflegt.

Kriegs- und Etappenlazarethe.

Die Feldlazarethe, welche durch die ersten kriegerischenEreignisse an der Grenze festgehalten wurden, wieder fürihre Truppentheile verfügbar zu machen, sie abzulösen undinstehende Kriegslazarethe" zu verwandeln, ausserdemdie Kranken-Rückbeförderung in geordnete Hahnen zuleiten, war die erste Aufgabe der Sanitätsorgane der General-Etappeninspektion der 111. Armee. Der Letzteren standhierfür das aus je 3 Sektionen bestehende Lazareth-Reserve-personal des V. und XI. Armeekorps, 1 ) sowie die BayerischeSpitalreserve (4 Haupt-Feldspitäler und 2 Aufnahms-Feld-spitäler) zur Verfügung. Das Lazareth-Reservepersonal derBadischen Division wurde von Anfang an durch Abkoni-mandirungen aufgelöst. Die Württeinbergische Divisionbesass eine solche Formation nicht.

Im Anschlüsse an das Treffen bei Weissenburg entstandin diesem Orte ein von der freiwilligen Krankenpflege ein-gerichtetes und unterhaltenes Kriegslazareth unter Leitungdes Professor Billroth aus Wien. 2 ) Weissenburg gelangteweiterhin zu besonderer Bedeutung für den Sanitätsdienstdadurch, dass hier zur Entlastung des Etappeuhauptortesder III. Armee, Mannheim, am 1. September 1870 eineEvakuationskonimission ins Leben trat, deren Thätigkeit indem Kapitel,Krankenzerstreuung" ausführlicher gewür-digt ist.

Die Ablösung und Unterstützung der durch die erstenKämpfe der 111. Armee zurückgehaltenen Feldlazarethebewirkten das Lazareth-Reservepersonal V. und XL Armee-korps, sowie die Bayerischen Haupt-Feldspitäler.

Das Lazareth-Reservepersonal XL Armeekorps war am1. August von Cassel, seinem Mobilmachungsorte, aufge-brochen und am 7. in Landau angelangt. Zur Ablösunglies 4. Feldlazaretlis XL Armeekorps nach Sulz berufen,traf es am 10. August daselbst ein. Das Personal bestandaus 2 (statt 3) Stabs- und 8 (statt 9) Assistenzärzten; daalle Lazarethgehilfen und Krankenwärter fehlten, so wurdenan deren Stelle 20 barmherzige Schwestern als Pflegerinnenherangezogen. Die unmittelbar nach der Schlacht aufmorastigem Boden erbauten Baracken mussten bei dem imSeptember eintretenden Regenwetter geräumt werden. Am5. Oktober war der Bestand des Lazareths soweit zurück-gegangen, dass nur ein Assistenzarzt an Ort und Stelleblieb, der endlich am 2. Dezember, nachdem alle Deutschen

') Das 6. Armeekorps trat der III. Armee erst später hinzu.(Vergl. Seite 94.)

2 ) Vera;!, dessen im Literaturverzeiclmiss aufgeführte Publikation.

evakuirt waren, die noch übrigen 22 verwundeten Franzosender Gemeinde übergab und damit das Lazareth auflöste.

InReichshoffen lagen am 20. August noch 75 Verwundete,fast ausschliesslich Franzosen. An dem genannten Tage wurdedie 2. Sektion Lazareth-Reservepersonals XL Armeekorpsbehufs Uehernahme derselben aus Sulz hierher kommandirtZur Wartung und Pflege standen Französische Heilgehilfen,Krankenwärter, sowie eine Anzahl Französischer und vierDeutsche Schwestern zur Verfügung. Lebensmittel andErfrischungen lieferten die Mairie und die freiwilligeKrankenpflege. Heilmittel fanden sich in einem zurück-gelassenen Französischen Lazarethwagen vor. Die Ver-wundeten wurden am 4. September an das BayerischeHaupt-Feldspital No. 5 abgegeben.

In Weissenburg, wo wie erwähnt vom 4. Augustbis 7. Oktober 1870 Personal der freiwilligen Krankenpflegeunter Professor Billroth mit 249 Verwundeten beschäftig!war, richtete sich später (am 7. Oktober 1870) das Lazareth-Reservepersonal V. Armeekorps ein, um bis 31. März 18711192 Kranke (unter ihnen 87 Verwundete) zu verpflegen.Das ärztliche Personal wurde durch barmherzige Schwesternunterstützt. Im Dezember kamen einige Pockenkranke inBehandlung.

Als nach dem Falle von Strassburg dem 4. ßadisehenFeldlazareth in Ilagenau Befehl zuging, seiner Division heidem Vormarsch durch die Yogesen zu folgen, wurde die3. Sektion Lazareth-Reservepersonals XL Armeekorps toiSulz herangezogen und am 5. Oktober die Ablösung desFeldlazaretlis durch dieselbe bewirkt. Bei der grossenBedeutung, welche Hagenau durch seine Lage für dieEvakuation über Weissenburg hinaus gewinnen musste, hatteschon im September das General-Gouvernement von Elsa-Auftrag erhalten, die Belegungsfähigkeit des Lazareths inHagenau auf 400 bis 500 Betten zu bringen. Zur Er-reichung dieser Bettenzahl war das 4. Feldlazareth V. Armee-korps zur Begründung eines zweiten Lazareths nach Hagenauberufen worden. Da jedoch die Hl. Armee das Feld-lazareth reklamivte und das in Ilagenau bestehende Kriegs-lazareth keinen seine Kräfte übersteigenden Zugang erfuhr,so Hess das General-Gouvernement durch das genannteFeldlazareth nur die Einrichtung der früher als FranzösischeVereinslazarethe benutzten Kasernen (petit quartier) mitHilfe von vorhandenem, theils aus Mannheim, theils durchRequisition am Orte beschafftem Material vollenden und dieBelegung erst am 25. November durch das zur Ablösungeintreffende 12. Feldlazareth Y1L Armeekorps, das demGeneral-Gouvernement unterstellt war, beginnen. Als auchim Dezember grösserer Zuwachs nicht eintrat, übernahmam 31. Dezember das eben erwähnte Feldlazareth die ge-sammten Lokalitäten; das Lazareth-Reservepersonal wurdenach Mülhaiisen dirigirt, um hier das 10. FeldlazarethVIII. Armeekorps für das Belagerungskorps vor Beifortfrei- zu machen. Die in Ilagenau vorhandenen FranzösischenVerwundeten waren allmälig in dem Französischen Hospital