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XANTEN.
wurde au diesen Orten mit ihren Anführern, in Xanten der h. Victor, im 4ten Jahrhundertauf Befehl Kaiser Maximilians des christlichen Glaubens halber niedergemetzelt. 2 Tritt nunzu der allgemeinen Verehrung der Märtyrer bei den Franken noch der Grundsatz der äl-testen christlichen Kirche in Erwägung, wonach man die Tempel, so weil es möglich war,über den Gräbern der Märtyrer errichtete, so ist man zu der Vermuthung berechtigt, dassin Xanten über den Gebeinen des h. Victor und seiner Schaar eine christliche Kirchesobald errichtet wurde, als jene aufgefunden worden, welches nach Gregor von Tours(glor. Martyr. cap. 63) zu dessen Zeit noch nicht geschehen war. Auf Grund ihrer Tradi-tionen beanspruchen die 3 Stifte des h. Victor zu Xanten, des h. Gereon zu Cöln unddes h. Cassius zu Bonn ihre Gründung durch die Kaiserin Helena, 3 die Mutter Constanlins,empfangen zu haben, was freilich auf ein hohes Alter deutet, aber durch keine Urkundenbewiesen wird und gerechten Bedenken unterliegt. 4
Die älteste Begegnung der Kirche zu S. Victor geschieht bei den frühen Verwüstun-gen, die sie getroffen haben sollen. Die erste im 5ten Jahrhundert wird den Hunnen zu-geschrieben, 5 die zweite den Normannen. Im Bericht über die letztere wird die Kirche einwundersames Bauwerk an berühmtem Orte genannt. 6 Die hohe Bedeutung, welche die Mär-tyrer dem Boden geben, dürfte auch der Grund der frühen Stiftung des Klosters Biorzuna,unter welchem Namen man den damals dicht am Rheinufer am Fusse der Castra veteraliegenden Ort Birten versteht, gewesen sein, dessen Zerstörung durch die Normannen imJahre 880 ebenfalls berichtet wird." Sie dürfte der Grund der Zunahme des Stiftes S. Victorüberhaupt sein, das nun vom Domslift zu Cöln, dessen Zubehör es war, getrennt ward. 8Und kann man diese Bedeutung des Ortes als Mittelpunkt fränkischen Lebens im mindestenbezweifeln, wenn selbst die Verse des Nibelungenliedes Kirche und Königsburg daselbsthervorheben? Ist auch das Nibelungenlied in seiner jetzigen Gestalt ein Werk des 12leuJahrhunderts, so liegen doch seine Thatsachen Jahrhunderte weiter zurück. Jene fränkischeSage, welche den Franken den trojanischen Ursprung gab, um sie als legitime Erben desrömischen Weltreiches hinzustellen, verlegt ihre Troja-minor nach Xanten, unter welchemNamen es vom 6ten bis zum löten Jahrhundert auftritt. 9
2. Act. Sanct. tom. IV. S. 308^, Surius V. S. 673.
3. Binlerim und Mooren: Dipl. Codex. Urk. 99.
4. Spenrath und Mooren 3tes Hefl. Abhandl. 4: Zweifel gegen die Gründung des Xantischen Stiftes durch
die h. Helena.
5. Beatus Rhenanus lib. 1. p. 60.
6. Ann. Xantenses ad annum 864 apud Pertz. Mon. II. p. 230.
7. Ann. Fuldenses ad annum 880. Pertz I. p. 394. Vgl. Einleitung Frank. Rom. Kunstepoche.
8. Spenrath und Mooren III. S. 61.
9. Ueber Entstehung und Bedeutung des undentschen Namens Xanten sind schon viele Meinungen aus-
gesprochen worden, und es ist ohne das Hinzutreten neuer historischer Urkunden kaum zu er-warten, dass jemals das Richtige mit Sicherheit ermittelt werde. Am meisten scheint sich Vielendie Ansicht zu empfehlen, dass in Folge der Sage vom trojanischen Ursprünge der Franken derbei Xanten fliessende Bach nach dem gefeierten Flusse im Troeracbiele Xante genannt worden und