Kluge und nützliche Staatskunst,160§. 138.Schlüßlich sey hiemit ermahnet, daß du den Armen helfest, unddenen, so in Noth und Bedrängnüß stehen, verthädigest (§. 19. 22.26. 54.); daß du ihnen allezeit wollest Gehör geben, und ihr kläg-liches Anbringen mit guten trostreichen Worten begegnest; ihnen einhülfgeneigtes Gemüthe zeigest, dann hievon wirst du Ruhm und Hoch-achtung erhalten, ja sie niemahlen ungetrost von dir abgehen lassen.Insonderheit aber sollst du vornehmen und vortreflichen Standsper-sohnen, die etwa durch Unglück und Zufälle im Rückstand und Dürf-tigkeit gerathen, Hülfe leisten, und ihnen in ihrer Nothdurft beysprin-gen. Die Erfahrung lehret es zur Gnüge, das derjenige, welcherden armen und nothbedrängten nach seinem Vermögen beystehet,nicht verarme, sondern das viel eher seine Reichthumer und Vermö-gen zunehme. Man könte hievon viele Beyspiele zum Beweiß anfüh-ren, allein es ist hier der Ort nicht. Mit einem Wort: es ist eineheilsame Lebens=Regel, und nichts schier so ersprieslich zur Gewinnungder Gemüther, als da man den nothleidenden, wie gering sie auchseyn, Trost zuspricht, Wohlgewogenheit zeiget, Mitleiden in ihremUnglück beweiset, und Beystandt leistet.§. 139.Dieß solte nun wohl vor dießmahl gnug von dieser Materie seyn,indem wir uns nicht vorgenommen, in weitere Umstände und Weit-läuftigkeiten bey dieser intricaten Materie einzulassen. Es ist auchwahr, laut den Mazarinischen Rubriquen, daß selten ein vollkom-menes Staatsgebäude oder Systema politicum gefunden wird, dadie Circumstanzen und Dependenzen (welche die praecepta genera-lia oder allgemeine Gesätze stündlich ja augenblicklich im Wechsel undVeränderung stellen) nicht zu bestimmen sind, so ist diß eine leichteLehrart die generale Regulen oder allgemeinen Lehrsätze auf allerhandSpecial=Occasionen, Accidenten, oder auf besondere Vorfälle undZufälle zu appliciren, und also durch diese Methode die Theorie, dasist, die Lehrsätze zu würklicher Uebung zu bringen. Eben darum ha-ben
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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