oder politische Maximen.155in Stolz übernimmt, andere verachtet, und ihnen den zukommen-den Respect verlieret. Oder ein hohes Ansehen, Herkommen, Wür-de und Ehrenstelle, oder grosse Gelehrtheit, Erkäntnüß, Klugheitund Erfahrung in allen Disciplinen und Wissenschaften sind ebenauch zuweilen Ursachen, dadurch mancher die Demuth vergist undin Hochmuth, Trotz und Hoffart steiget, und durch eine eitele Ein-bildung endlich die gebührende Veneration und Hochachtung gegenanderen im Wind schlägt. Ja die blose Einbildung und Präsump-tion ist gnug, manchen brutal, indiscret, trotzig und stolz zu machen,daß er nicht einmal gedenket, woher er gekommen seye, und wohin erwieder zurückgehen werde. Endlich so soll ein Politicus niemahlenanderen etwas vorschreiben, commendiren oder befehlen (§. 65.), nem-lich über welche er nichts zu sagen noch zu befehlen, oder einige Her-schung besitzet. Er soll auch niemand ermahnen oder corrigiren uberFehler, Gebrechen und dergleichen, wann er nicht darzu bestellt ist(§. 12. 57. 65.), dann durch solche Präsumptionen wird man gemei-niglich bey denjenigen verhast, denen man etwas ohne Authoritat undVollmacht vorschreiben, befehlen oder ermahnen, corrigiren, und al-so zu sagen, über andere herrschen wilt. Solchermassen pflegt esoft zu geschehen, daß sich einige Nasenweise durch eitele Einbildungunterstehen, andern Lehren und Ermahnungen vorzuschreiben, oderüber Sachen zu corrigiren (ohne nicht allein darzu authorisirt undbevollmächtiget zu seyn, sondern, ohne die Sachen besser zu verstehen,als diejenigen, denen sie etwas vorschreiben wollen. Ja solche ein-bildische Leute werden nicht allein bey andern verhast, sondern auchverlacht und verspottet, da sie andern eine Sache lehren oder vor-schreiben wollen, darin sie selbsten ungelehrt sind; oder wann sie an-dern gute Ermahnungen geben, und uber Fehler bestrafen wollen, davielleicht sie selbsten mit mehreren Gebrechen behaftet sind.130.Endlich, wann ein Politicus ihme selbsten zu rathen und sichvon aller Gefahr zu befreyen sucht; so glaube er keinem (§. 9. 27.).So dich jemand lobet, so bilde dir em, daß er deiner spotte, weilenU 2Schmei-
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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155
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