oder politische Maximen.149§. 124.Ein gewissenhafter mit gesunder Vernunft begabter Politicusbedenke ferner, was es ihme helfen wird, wann er vor eine so kleineZeit seine Lust, seine Sinnlichkeiten und allen bösen Willen hier inder Welt ausführen und dieselben gnug thun wird, hernacher aberin der andern Welt dafür wird ewig und ewig leiden müssen.Derhalben ist diß billig eine unbeschreiblich=nutzliche Lebens=Regel,die ein sittsamer Staatsmann allezeit vor Augen haben soll, und oh-ne Ablaß sich derselben erinneren; wann der geistreiche KirchenlehrerAugustinus von der Weltlust spricht: Momentaneum est, quoddelectat, aeternum quod cruciat. Augenblicklich ist die irrdi-sche Lust, womit die Welt scherzet, aber ewig die Schmer-zen. Da nemlich diß zeitliche Leben der Menschen ein elendes Leben,dabey gar kurz ist; ehe man sich vorsiehet, kommt der Todt heran,[welchen kein Kunstgrif noch Weltliste, und Staatsklugheit, nochAnsehen, weder Vermögen und Macht abwenden kan) wornach derMenschen Werke und Thaten ohne Einsehen gerichtet werden, wel-chemnach erschröckliche Strafen und Peinen für begangene Saum-seligkeiten werden auszustehen seyn, und vor die geringsten Laster undSunden ewige Busse erfolgen wird.§. 125.Es ist nicht rathsam, Sachen zu begehren, welche durch lange,beschwehrliche und verdrüßliche Wege mussen erhalten werden, undwann man schon halb versichert ware, solche zu gewinnen, so ist esT 3besser,[*) Ich weiß voraus, daß dergleichen Anmerkungen einem vorwitzigen Leservielleicht nicht angenehm seyn werden, ja überdrüßig seyn. Solche An-merkungen aber sind die heilsamsten, nothwendigsten und nützlichstenDa Christliche Staats=Leuthe ihnen das folgende Ewige bey Verrich-tung aller Werken reiflich vorstellen sollen, und zuvorn alle ihre Hand-lungen, Maximen, Jntriquen und dergleichen auf dem Probiersteineines wohleingerichteten gewissen Versuchen müssen.
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten