148Kluge und nützliche Staatskunst,keinen grossen Glauben auf einem Menschen stellen, der da gänzlichseine Schuldigkeit gegen GOtt und seinen Gebotten vergessen.Es ist ja also zu schliessen, daß er je balder dasjenige nicht halten wird,was er uns in Treu, Aufrichtigkeit und Wahrheit zugesagt und zuthun schuldig ist. Zweytens, ist es ein schlechtes Mittel, die Liebeund Hochachtung der Menschen zu erwerben, wenn man den Rah-men hat, unfrom, ohne Gottesfurcht (und ohne wahren Eifer zumGottesdienst) zu leben, und hingegen böß= und lasterhaft zu seyn.Die Unfrömmigkeit, Unandacht, Gottlosigkeit und liederliches Lebenbesitzen diese Eigenschaften, daß alle Welt vor solchen einen Abscheutragt, sogar diejenigen, welche in der meisten Unordnung leben.Drittens, daß man umsonst vor einen ehrlichen Mann respectirtzu werden suchet, wann man kein christlich=auferbauliches Leben füh-ret, noch gutes Gewissen besitzet. Es ist gewiß umsonst, alle Affe-rey und Simulirung, ja vergeblich all angenommenes Wesen, wannman bey der Welt den Nahmen eines kalten Christen, eines Liber-tiner (oder Freygeist) eines machiavellischen Politici, oder gar einesAtheisten (der ohne GOtt und Gebott lebet) führet. Man findetsogar gewisse Narren, die sich sogar bis dahin vergessen, daß sie siches vor eine Ehre schätzen, ein kalter Christ (wie man in gemeiner Re-densart zu sagen pflegt) zu seyn. Wie kan doch aber ein Menschso schwach und gewissenloß seyn, daß er sich einbildet, ihme einenRuhm durch seine Boßheit und tadelhaftes Leben gewinnen zu kön-nen. Wer dann die Nahmen eines wahren Staats= und Weltklu-gen, eines recht christlichen Politici gewinnen willt, der sey gewissen-haft und lebe ordentlich nach den Geboten Gottes, und Gesätzen derwahren Kirchen, und von GOtt offenbarter Religion (§. 105.), sowird er von allen wahren Christen jemehr hochgeachtet und respectirtwerden, auch von GOtt zweyfache Belohnung zugewarten haben;ja er wird alsdann mit Recht den Titel eines grossen Staatsmanns,oder Politici und vortreflichen Weltweisen verdienen.§. 124.
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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