oder politische Maximen.147§. 123.Insonderheit bemühe sich ein Politicus, alles Argden-cken oder Argwohn von ihme abzuwenden, und alle Aerger-nüß oder böß Exempel zu meiden, dann dieses sind die ersten Ur-sachen, ihm alle seine Authorität und Ansehen auf einmal zu beneh-men. Insonderheit, wann er in officio publico stehet, so solle eranderen zum Beyspiele, gutes Exempel zu geben, dienen. SeineAndacht, Frömmigkeit und gute Werk verhehlen, ist sittsam, undeine Anzeige eines wahren frommen gottesförchtigen Menschen (§. 44.46.), der von aller Hypocrisie oder Scheinheiligkeit entfernet ist,aber seine Tugenden und gute Sitten soll man nicht allezeit verdecken,damit man auch nicht vor gottloß und boßhaft ausgeschrien werde;indessen aber auf dieselbe Tugenden keinen Hoffart treiben, sonsten istder Verdienst bey GOtt und der Welt verlohren. Hernach sollein Weltweiser Politicus in Religionssachen oder Glaubens-Artickelen fleißig zu folgen bedacht seyn; nemlich bey allen undjeden Verrichtungen fromm, andächtig, gottesförchtig, sittlich undtugendsam zu leben (§. 66. 105.) und zu sterben, (*) dann ein Staats-kluger bedarf sich keines wahren Glücks in hiesiger Welt (und folgen-den Heyls in der andern) versichern, wann er nicht nach einer wah-ren christlichen Sittenlehre und zufolg den Gebotten GOttes seinenLebenswandel einrichtet. Dieses zu beweisen, habe ich gnugsame ver-nünftige Gründe und unwidersprechliche Proben, ohne mich auf Theo-logisch und moralische Principia (da sie doch die gewissesten, und al-len andern weit vorzuziehen sind) zu berufen. Erstlich: Man kanT 2keinen[*) Ich sage dieses allhier mit Fleiß und wohlgemeintem Ernst; und ohnedie Rationes, [welche ich allegiren werde, um zu probiren, was ich jetzogesagt] so könte ich unzählige Exempel anführen, dieweilen selbe öftersmehr Impreßion oder Eindruck in die Gemüther der Menschen habenals die unüberzeugende Rationes und Gründe, und schöne moralischeAnmerkungen beyzufügen wären, allein die Zeit erlaubet es anjetzo nicht.
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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147
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