146Kluge und nützliche Staatskunst,hen; dieses aber, worzu er inclinirt, und sich geschicklich und fertiggemacht hat (§. 7.). Es sey dann eine Ehrenstelle und Officium imgeist⸗ oder weltlichen Stand, im Civil⸗ oder Militair⸗Leben, nem-lich in einem Staat, oder im Krieg, oder an einer Regierung, oderMagistratur, oder im Commercien=Wesen, und sofort in allenStänden, nachdem es die Zuneigung und Gelegenheit zu diesem oderjenem Stand giebt. Demnach aber, wann er eine Dignität oderein Officium erworben, so solle er in allem zufolg seinem Caracter,Qualität und Condition leben und sich aufführen (§. 1. seqq.), vorde-rist soll er sich befleissen, sein Amt und Pflicht mit genauester Rich-tigkeit zu versehen und zu betretten, damit keine Klagen weder vondem Oberherrn, weder von den Unterthanen und gemeinen Wesengegen ihn mit Fug und Recht gemacht werde. Darum soll er erstensdes Herrn sein Privat-Interesse zu suchen trachten, anbey des gemei-nen Bestens Wohlfahrt zu beförderen sich beeiferen, inzwischen soller des Seinigen auch nicht vergessen, was ihme von rechtswegen zu-kommt (§. 22.).§. 122.Man soll sich in die Zeit und in die Leute schicken (§. 84. 90.),darum muß zu Zeiten der Mensch gewisse Gemüths-Bewe-gungen und Gebärden an sich nehmen, ja gänzlich seine Affecten ver-stellen oder simuliren, und sich nach dem Wind und Wink zu drehenwissen, aber zu Zeiten soll man auch hinwiederum seine Gravität undAuthorität behalten, und nicht thun, wie etliche Windauffänger,die in allen ihren Bewegungen nur lauter verstelltes Wesen, affectirteMinen, und theatralische Manieren machen. Solche Personensind Sclaven in ihrer eigenen Persohn, indem sie sich also in einerimmerwährenden Verstellung und simulirten Aufzug regelmäßig her-vorzeigen müssen (§. 69. 85.). Ein Weltmann soll wohlanstandigeManieren, eine civilisirte und moralisirte Lebensart besitzen.123.
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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146
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