oder politische Maximen.145grausam oder unbillig und ungerecht, kan man bey der Welt verhastmachen, und von ihren Aemteren und Diensten ohne Remißion ab-setzen, damit sie in sich gehen, sich besseren, hinführo auferbaulichleben, und durch ihre Straf ein Exempel statuirt werde.§. 120.Hat man aus menschlicher Schwachheit einen kleinen Fehler be-gangen, indem Fehlen und Irren menschlich ist, so soll man diesel-ben verhehlen und corrigiren. Ist er aber offenbar, so soll man oh-ne Scheinheiligkeit eine desto grossere Begierde zeigen, zu Verrichtungehrbaren und guten Werken, um die begangene Gebrechen hiedurchin der Gedächtnüß der Menschen auszuwischen, und durch aufer-baulichen, sitt= und tugendsamen Lebenswandel in Vergeß zu stellen.Ein gewissenhafter Staatskluger soll seine Parole oder Wort undVersprechen anderen unverbrüchlich halten (§. 49.). Die Falsch-heit und den Betrug soll er hassen, und die Aufrichtigkeit undWahrheit lieben, deswegen aber nicht jedem zu glauben, sonderndie Wahrheit erforschen, vornehmlich von denjenigen, die in weni-gem Credit und Glauben stehen, und die der Lugen und des Be-trugs gewohnt, und dafür reputirt seynd. Die Lugen und Untreuhasset ein jeder, hingegen liebet man die Wahrheit allenthalben, unddannoch werden gethane Versprechen und Versicherungen wenig voll-bracht; ja auch öfters am wenigsten von denen, so sie am meisten zuobserviren sich verbunden erkläret haben.§. 121.Dafern ein Politicus nicht allein von vornehmen Herkommenund Familie herstammet, sondern auch in vortreflichen Wissenschaf-ten gründlich erfahren und gelehrt ist, auch in schönen Sitten, preiß-würdigen Tugenden und manierlichen Lebensart qualificirt ist; so soller eine Ehrenstelle, hohes Amt und Würde zu erlangen, sich bemü-hen;
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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