Kluge und nützliche Staatskunst,144anderer Menschen Liebe, Treu, Gunst, Wohlgewogenheit und Hoch-achtung zu gewinnen, und dabey das Ansehen bey allen zu erwerben,daß er in allen Geschäften fleißig, in allen Handlungen aufrichtig,und in allen Dingen beständig getreu seyn, (§. 16. 115.) folglich soller sich befleissen, daß er nicht von denjenigen, die ihm schaden können,den Zorn, Haß und Ungunst auf sich ziehe. Hernächst soll er sichbemühen, den nervum rerum gerendarum mit Recht und Maaßzu erwerben, zu versorgen und zu behalten, (§. 75.) auch ehrlich,nicht aber verschwenderisch anwenden, (§. 37.) daher sehe er wohlzu, wem er etwas leihe, (§. 26.) weder jemand etwas lehnen, wasman gemeiniglich nicht pflegt wiederzubekommen, wie man es anderngelehnet hat.§. 119.Da viele Menschen zu diesen letzteren Weltzeiten sehr falsch undarglistig sind (§. 48.); so soll ein vorsichtiger Staatskluger, (wanner mit Vernunft argwohnet, Feinde zu haben) allen heimlichen Nach-stellungen, tückischen Verfolgungen und hinterlistigen Feindseligkei-ten zu entgehen, sich höchst befleissen, daher soll er sich aller Vertrau-lichkeit enthalten, sonderlich gegen diejenige, die ihm nur etwas suspectvorkommen. Oefters geschiehet es, daß man dir allein nachstellet,um dich mit den Reden oder Thaten zu fangen, so muß manalsdenn sich wohl vorsehen (so wohl in Gebarden, Affecten, alsReden) und die verborgene Gemüthsneigung möglichst verdecken.Alle falsche, boßhafte und arglistige Gemuther fliehe, als tollmüthi-ge, trotzige, freche, unverschämte, ausgelassene, aberwitzige, wieauch mit allen zänkischen, rachgierigen, neidigen, desperaten odervermessene, unzuchtige und liederliche Gemüther habe nichts zu schaf-fen, denn sie sind alle gefährlich. Anbey auch die in allem unmäs-sige Leute, so da nur Wollust, Fresserey, Saufen, Tanzen, Spie-len und Prasserey suchen. Endlich solche boßhafte Gemüther, diegegen ihren Herrn, oder gegen dem Volk und Nächsten tyrannisch,grau⸗
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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