Kluge und nützliche Staatskunst /132rathen eines Menschen sind, sondern wegen eigenem sowol daraus zuschöpfendem Vortheil (§. 87.), als Nutzen des gemeinen Wesensund des ganzen menschlichen Geschlechts (55. 56.). Ich sage alsomit Fleiß, wenn man allein bedenket, was gesagt worden (§. citat.),daß die Erkäntnüß, Gelehrtheit und grosse Erfahrung in vortrefli-chen Wissenschaften der vornehmste Weg ist, sich zu immortalisiren,und das Mittel, sich bey der Nachwelt einen ewigen Nahmen undunsterblichen Ruhm und Lob zu erwerben, wie wir die Erfahrungan vielen grossen Männern gehabt. Und es wäre mir hier allzuweitläuftig, nur blos die Nahmen derjenigen unvergleichlichen Gei-stern, (die sich in einer oder andern Wissenschaft verewiget) anzu-führen. Es ist aber eine Thorheit und eitele Sach, sich blos aussolcher Absicht auf Wissenschaft zu begeben. Ein kluger Weltmannsolle sich vor allen und zuerst angelegen seyn lassen, gründlich unter-richtet zu werden (§. 7. 63.), und den möglichsten Punct der Gelehrt-heit darin zu erreichen, um ihme selbsten, die seinigen (ohnedem zuwidersprechen, was im Vorbericht gesagt worden) und seinem Ober-herren, seinem Vatterland und Nebenmenschen zu dienen und beför-derlich zu seyn. Denn GRACIAN wohl spricht: daß der Gelehrte alleskan (*), und der Ungelehrte gleichet einer finstern Welt. Der ge-ringste Tag eines Gelehrten, sagt SENECA, ist mehr werth, als dasganze Leben eines Ignoranten oder Ungelehrten, wie lang er auchschon lebet: Unus dies hominum eruditorum plus valet, quamimperiti longissima aetas. Seneca Epist. 78. Und daher spricht hier-auf abermahl der spanische Staatslehrer GRACIAN in seiner politischenSchrift: El discreto. cap. hombre de plausibles notitias &c.Daß keiner als Mensch lebe, als allein derjenige, welcher gelehrt⁕sey ( ) In der That, es scheinet auch, daß die Idioten, so zusagen,PLUTARCHUS hier wohl spricht: Vir literatus duplò acutius videt,Apud. Plutarch.[**] Welcher sich nemlich vor das erste auf der Weltweisheit beständigund wohl beflissen, und zwarn auf ihre vier vornehmsten Theile; Nem-lich die Vernunftlehre, Naturlehre, Sittenlebre, Staatskunst,auch Meraphysic, bernach auf andere Wissenschaften, darzu er geneiges
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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