131oder politische Maximen.und leichtsinnige Gemüther zu führen. Ist diß nun aber einigerGrund, eine Sach zu verachten oder vor unnütze auszugeben? Wirsehen ja täglich in den Ländern und Staaten, wo die schöne Wissen-schaften (als die Philosophie, Mathematic, und übrigens alle ande-re nützliche Künste und Disciplinen) blühen, daß auch allda durchdieselbe alle andere Ding im Flor sind (§. 32. 55. 56.). Diß lehretalle vermeinte Klugen: wie behutsam und vorsichtig man von demNutzen und Nothwendigkeit der Sachen urtheilen müsse. Darumsoll uberhaupt ein jeder, er seye gelehrt oder ungelehrt, sich niemalenunterstehen, eine Sach vor unnützlich und gering auszugeben, wenner schon nicht begreift, was sie in dem gemeinen Leben der Menschenvor einen Vortheil und Profit bringen solte. Daher, sage ich, steh-len allezeit diejenigen, welche von eigenem Vorwahn oder Vorurtheil,Partheylichkeit, Präsumption und Paßion eingenommen und ver-blendet sind. Treflich wohl spricht hier der gelehrte Redner Qum-TILIANUS: Felices artes essent, si de illis soli artifices judicarent.Glücklich wären alle Künste und Wissenschaften, wenn von ihnennur allein die Gelehrten und Künstler urtheilen thäten. Quintil.cap. 4. vers. 5. Allein, die Klugheit mancher solchen critistrendenTölpeln bestehet oft darin, daß sie eine edele Kunst zu vergringernsuchen, damit sie sich nicht bey Leuten von gleichem Stof verdächtigmachen, dieselbe Sach nicht zu verstehen, und ihre Unge-schicklichkeit, als auch Unwissenheit an Tag zu geben. Ja, dies istdas leichtste Mittel, denn solche einfältige Leut, um auf einmahl ausdem Traum zu kommen, gebrauchen; daß wann sie eine Sach nichtverstehen, und dieselbe ihren Witz übersteiget, so pflegen sie solche zuverachten, zu tadelen und zu vergeringeren.§. 109.Wie hoch also ein Politicus die schönen Künste und nützlichenWissenschaften schätzen solle; haben wir schon einiger massen gemel-det (§. 32. 55. 56. 108.): weilen sie nicht allein die schönsten Zier-rathenR 2
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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