118Kluge und nützliche Staatskunst,da nicht allein die Alchymisterey, oder Goldmachen und Schatzgräbe-rey lauter Thorheiten, Betrug und Boßheiten sind, so pflegen über-dem solche sinnlose Leut öfters Lügner und Betrüger zu seyn. Oderarme vermessene und frevelmüthige, welche (da sie nichts mehr zu ver-spielen haben) andere dahin zu überreden suchen, um mit ihnen inSocietät zu stehen, um entweder Gold zu machen (oder Schätze zugraben) oder ein anderes gefährliches desperates Werk zu unterneh-men, und folglich all ihr Hab und Gut so blinder weis zu wagen,und gewiß zu verlieren. Die verdammliche Begierde zu grossen Reich-thum und der unersättliche Geldhunger hat zu allen Zeiten viele sinn-lose Menschen dahin verführet, daß sie annoch das ihrige auf solcheWeise verschwendet in der eitelen Meinung, reicher zu werden, unddie hernach zu Bettler, oder gar zu Lügenern, Betrugeren, falschenMünzmachern und Chevaliers d'Industrie (wie die Franzosen sagen)geworden. Wo hat man ja jemahlen einen reichen Laboranten ge-sehen? und im Gegentheile, da sie sollen (nach eigener Aussag derAlchymisten) aus dem schlechten Dinge das Gold auslaboriren, sopflegen sie doch das gute Gold in dem allerschlechtsten Ding zu ver-wandelen, nemlich in Staub und Aschen, und in Rauch und Dampfaufzutreiben. Kein besseres Præservativum gegen alle Tücke, Ränkund Listigkeiten, als die Vorsichtigkeit und ein wohlbedachter Rath-schluß (§. 12. 13.); derhalben soll man auf diejenigen wohl acht ge-ben, welche sich in deinem Interesse einmischen, um sich mit demihrigen daraus zu ziehen (§. 92.) O! wie oft geschicht es, daß an-dere sich deines Interesse unter einem speciosen Prätext oder schein-baren Vorwand annehmen, nur aber, um Gelegenheit zu haben,ihren Eigennutz und Vortheil zu suchen, und in der That, diß istvor solchen eine artige Bedeckung, und die täglich practisiret wird.Und darum, wie PLINIUS SECUNDUS sagt, daß (angesehen die Arg-listen der Menschen und der böse Zustand der Zeiten) es eine Klug-und Weisheit sey, die Boßhaften zu betriegen: Quos decipere, promoribus temporum, prudentia est. Plin. jun. Ep. 18. lib. 8. nem-lich solchen nichts zu trauen, noch zu glauben, die in etwa verdäch-tig
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Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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