113oder politische Maximen.schicken, sind zwey unschätzbare politische Rubriquen, ja, unent-behrliche Staatsregeln. Ich sage mit Fleiß, daß ein Mensch, wel-cher dem gemein= und gesellschaftlichen Leben anklebig ist, soll sich durch-aus in die Zeit und Dinge schicken. Ich glaube also, noch zu wenigangeführt, behauptet und gesagt zu haben. Weil man zu sagen pflegt:daß ein Mensch sich in die Zeit und Dinge schicken müsse; so wirdman dadurch vermuthlich verstehen wollen, daß man sich in demjeni-gen ergeben solle, welches jährlich, monathlich, täglich, stündlich,ja augenblicklich vorgehet, und welches uns während unserem Lebens-lauf betrift, vorkommt und begegnet (§. 58.). Die Gemüthsfassungeines vernünftigen, sittlich- und politischen Menschen (der sich nem-lich in die Zeit und Dinge schicket) bestehet hauptsächlich in der Fähig-keit, Gutes und Böses zu seinem Vortheil anzuwenden, im GlückeVerstand, im Unglücke und Widerwärtigkeit aber Entschlossenheitzu behalten (§. cit.). Wir mussen alle Ding der Welt dem Nutzennach kaufen und nicht mehr dafür geben, als sie in sich wehrt sind(§. 82.). Alle Schicksale und Zufälle sollen wir annehmen, alsWarnungs=Mittelen; sie sollen uns zum Abscheu vor das Böse,und zum Antrieb das Gute zu suchen, zu lieben, und zu thun, die-nen. Dieses ist zwarn eine moralische Reflexion, folgendes aber einepolitische. Sich in die Zeit schicken, heisset ferner nach allen gegen-wärtigen Moden und neuen Gewohnheiten den Mantel zu hangen,sogar die Künste und Wissenschaften will man alamodisch haben, undwarum ist man bewundert, daß die neue Welt auch allezeit etwasalamodisches (oder neu=aufgebrachtes) liebet, da schon die uhralteWelt das alte gehasset, und das neue geliebet, in einigen Sachen ha-ben auch wohl die Menschen Recht und Ursach, das neue zu lieben,indem viele Dinge täglich vollkommener, besser, sauberer und subtiler.gemacht werden, oder beständig etwas neues erfunden und beygesetztwird, daß in der alten Welt ganz unbekannt gewesen. Die Erfah-rung bezeuget dieses durch die vielen neuen Erfindungen und nützlichenEntdeckungen, schönen Experimenten, Observationen in der Philo-sophie, nemlich in der Physic, auch in der Mathematic und Medicine,als
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
Entstehung
Seite
113
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten