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Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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114Kluge und nützliche Staatskunst,als auch in allen anderen Wissenschaften, Künsten, Manufacturen,Fabriquen, Profeßionen und allerley andere Sachen, die zum ge-meinen Nutzen und menschlichen Leben diensam sind. Ja, wie sindnicht alle Kunste und Wissenschaften Zeit etwa einem Saeculo zu ih-rem höchsten Flor und Perfection gestiegen. Darum soll sich ein ver-ständiger Staatist nach der gegenwärtigen Zeit (oder nach der heuti-gen Welt) richten, nicht allem was die Manieren angehet, sondernauch, was das Gemüth anbetrift, obgleich das Verflossene ihmebesser zu seyn scheinet. Diesen Lehrsatz gibt der bekannte Staats-und Geschichtschreiber TACITUS: se ulteriora mirari, praesentia sequi. Tacit. hist. 4. Dieser Lehrspruch hat zwarn eine Exceptionoder Ausnahme bey den guten Sitten, indem die Tugend zu allen Zei-ten soll geübet werden. Und es ist ein schlechtes Zeichen, wo man sichso gar in die Moden vernarret, daß, was da böse ist, vor eine Mo-de gehalten wird, vermittelst, daß ein jeder selbes nachfolge. Tugendbestehet, und alle neue Gewohnheiten vergehen doch zu ihrer Zeit.Mit einem Wort, man lebe also nach der Zeit, wie man wird kön-nen, wenn man nicht kan, wie man wohl wunschen thäte. Und werden Handlungen der Welt verbunden ist, der schicke sich nach allenihren Minen, Grillen und Possen (vermittels, daß er nichts gegenGOtt, seinem Nächsten und eigenem Gewissen vornehme) denn ob-schon sie ihm eitel, unwitzig und närrisch vorkommen werden, so wirder doch vor einen Idioten, Phantast und Wahnwitzigen gehaltenwerden, wenn er dieselbe vor thöricht angeben und tadeln wird. Esist ja klüger, mit allen närrisch als allein witzig zu seyn scheinen, undbesser mit allen witzig, als allem närrisch und einfältig zu seyn scheinen(§. 35.). Derhalben ein erfahrner Historicus jetziger Zeit die Sach-recht wohl ausdrückt, wenn er schreibt:Wer jetzund in der Welt sich nicht politisch stellt,Und da und dorten will auf alle Weis mitmachen,Den wird als simpel man verhöhnen und verlachen,So ist die Mode jetzt bey der verkehrten Welt. ꝛc.§. 91.