112Kluge und nützliche Staatskunst,auf seinem Glück und Wohlfahrt zu pochen, zu trotzen und sich großzu machen, indem er sich hiedurch kan verhasset machen, ja von allenverspottet. Es ist zugleich auch eine Maxime der Weisheit und Vor-sichtigkeit: daß er nicht warte, bis ihn das Glück verlässet;daß er nemlich die Dinge der Welt verlasse, ehe sie ihn verlassen (*).Hiedurch eben ist er ausser aller Gefahr, einiger Confusion, oderVerlust an seinem Ruhm oder Betrübnuß und Verdruß, den er nichtsobald wird können vergessen. Und so pflegt es oftmalen einem Un-vorsichtigen zu ergehen, daß er nicht mehr zu trösten ist (da er sich ineinem Augenblick von allem Glück und Wohlfahrt verlassen siehet)und darum wohl billig unter die Anzahl derjenigen Leute zu setzen,davon ein sinnreicher spanischer Author sagt: daß auf Erden zweyer-ley Menschen sind, die nicht zu trösten wären, nemlich erstens: dieReich-geitzigen, welche am Sterben liegen, indem sie also ihren lie-ben Abgott, will sagen, alle ihre Reichthümer und Schätze vor ewigverlassen müssen. Zweytens aber sind auch untröstlich die vermein-ten schöne Personen, wenn sie alt werden, und ihre eingebildeteSchönheit vergehet, Juan Rufo apophtheg. 699. da sowohl die letz-tere als die erste Art Menschen zum Schau- und Beyspiel aller Welt-eitelkeiten wird, nemlich, wie alle Ding in diesem zeitlichen Lebenso zergänglich und nichtig sind; wie alle Menschen und irrdische Sa-chen so unbeständig, wechselhaft und eitel sind!90.Ein Politicus solle immer auf die Zeit und Gelegenheit in allenseinen Reden und Thaten acht geben (§. 1.2.). Er soll sich in dieZeit und Leute schicken, (§. 57.84.). Sich in die Zeit und Leuteschicken,[*) Ein kluger und vernünftiger Politicus wird leichtlich diese Maximeverstehen, ohne daß ich dieselbe mit einer weitläuftigen Anmerkungund Auslegung zu erkiären bedarf. Ich habe zwar hier und dort vielebesondere neue Maximen gegeben, die dunkel oder zweydeutig scheinen,da sie doch durch ein kurzes Nachsinnen zu begreifen sind.
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
Entstehung
Seite
112
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten