170oder politische Maximen.oder Menschenfeinde beleget. Solcher Stolz ist gewiß nicht derrechte Weg bey dem gemeinen Wesen in Ansehen, Lieb und Creditzu gelangen, wenn man andere, so zu sagen, verabscheuet. Treflichwohl spricht hier der kluge und scharfsinnige Staatsmann de laHOUSSAIE: daß nichts artiger zu sehen sey, als da solche unhandel-bare monstra ihr hochmüthiges Wesen annehmen. Diejenige [sprichter ferner), welche das Unglück haben, mit solchen Geschäften abzu-handelen, gehen nach ihrer Audienz, als wenn sie gegen Löwen undTigern streiten solten, das ist: bewaffnet mit Furcht, Angst undVorsichtigkeit. De la Houssaie, l'homme de Cour de grac. maxim.64. pag. 96. Darum soll ein Politicus sich solcher preißwürdigenHuld und Leutseligkeit oder Menschenliebe (§. 14. 35. 51.) bewerben,und allen leichte den Zugang, Gehör und Ansprach verleihen (*).Ich sage mit Fleiß, daß die Höflichkeit, Belebsamkeit, Leutseligkeitoder freundschaftliches Bezeugen gegen jederman eine der vornehmstenRegeln der wahren Lebensart seye. Sie ist in der That einem Zau-berwerk oder Gauckelspiel zu vergleichen, weilen man sich dadurchbey allen beliebt macht. Im Gegentheil durch die Unhöflichkeit wirdman von allen verhasset und verachtet. Sie verdienet auch allen Haßund Verachtung, spricht der gelehrte Politicus GRACIAN, und kom-met von hoffärtigen, aufgeblasenen und groben Menschen her. Pli-NIUS, der jungere, erzählet, daß Kayser Trajanus durch seine Höf-lichkeit, und freundschaftliches Bezeugen sich die Liebe und Hochach-tung aller seiner Unterthanen erworben. Plin. jun. in panegyr. miteinem Worte, all höfliches, ehrbares und manierliches Wesen istvon einem unbeschreiblichen Nutzen, und sehr vortheilhaft sich dessel-ben gegen seine Feinde und Verfolger zu gebrauchen (§. 6. 23.). DieFreundlichkeit ist ruͤhmbar und von grossem Wehrt, da sie doch we-nig kostet (§. 35.); sie hat den Vortheil, daß sie demselben Ruhmund Hochachtung zubringt (§. citat.), der sich derselben bedienet;dennO 2Paragraph. 51. Esto sermone affabilis, accessuque facilis. &c. Senecain Neron. lib. de Clem.
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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