108Kluge und nützliche Staatskunst,denn wer ehret, der wird geehret. Treflich wohl hat der gelehrte Car-dinal JOANNES BAPTISTA CICALA, der ein berühmter Staatsmannder letzteren Zeiten gewesen, uns ein schönes praeceptum politicumund Staatsregel hinterlassen: daß der wahre Stylus und Gebrauchdes wohlgearteten Lebens derjenige seye; welche wolle geehret, undrespectirt seyn, solle andere ehren und respectiren, ohne sich einzubil-den, daß andere vor ihn einige Höflichkeit haben werden, wann erihnen keine bezeiget.§. 84.Nun bleibt hier noch anzumerken, daß man sich nach allerMenschen Wesen schicken solle (§. 1. 12.) und sich nach ihrenSitten und Gemüthsart zu lenken wisse; gleich einem weisenProteo, der Fromme mit dem Frommen, der Gelehrte mit dem Ge-lehrten, der Ernsthafte mit dem Ernsthaften, lustig mit den Kurzwei-ligen, u. s. w. (§. 50. 53.); dies eben ist eine unschätzbare Maximedie Gemüther einzunehmen, und die Herzer zu gewinnen, da dieGleichnuß oder Aehnlichkeit die Verknupfung der Liebe und Wohl-gewogenheit ist: ad connectandas amicitias tenacissimum vinculummorum similitudo. Plin. Epist. 15. lib. 4. Wer sich in alle Hän-del der Welt schicken will, der muß wohl das vornehmste axioma derPolitic: Nosce alios, oder lehren andere wohl kennen, verstehen;nemlich die Kennschaft anderer (§. 1.), und die Gemüther, mit wel-chen er umgehet, wohl zu unterscheiden wissen (§. 12. 50.). So-denn durch solche politische Transformation und Dißimulation erfäh-ret man die wahre Beschaffenheit, die innere Qualität und Eigen-schaft der Gemüther und Sinnen anderer. Diß ist eben ein Geheim-nuß, so allen [die von anderen dependiren oder verbunden sind] durch-aus nothwendig. Hierzu wird zwarn eine grosse Klug= und Geschick-lichkeit erfordert. Ein verständiger Politicus aber, der viele Erkäntnußund Erfahrung besitzet, wird sich gleich hierinne schicken können, nichtaber, wie solche Grillenfänger, Händelschlichter und Windauf-fanger
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Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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