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Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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106Kluge und nützliche Staatskunst,geben, vor boßhafte, falsche und tückische Menschen gehalten werden,und jedermann sie hasset und fliehet. Solche Nasenrümpfer, spott-und stichlerische Leute soll man allezeit meiden, denn meistentheils,wenn sie schon Freunde zu seyn scheinen, sind doch ihre Reden vollerArglist, Bosheit, Feindschaft, Falschheit, und Scheinheiligkeit.Ja, ihre Stichelwörter sind den allergiftigsten Stacheln und denunwahrnehmlichen Donnerstrahlen zu vergleichen, die da beleidigenund schaden, ehe man sich vorgesehen. Indessen ist es doch rathsam,daß, wenn man von solchen falsch=giftigen Zungen durch Schmach-und Stichelworte getroffen wird, man selbe simulire, bis die Gele-genheit kommt, mit Nutzen ihre Unrichtigkeit ihnen zu erweisen, undsie zu mehr christliche Beurtheilung zu überführen. Es ist eine Thor-heit, sich darauf zu erzörnen, zu betrüben, oder zu erschröcken; ver-stelle dich, als wenn es dich nicht anbetreffe. Philippus der II., Kö-nig in Spanien, ware hierin ein erfahrner Staatskluger, welcherdichtete, viele Beleidigungen nicht zu wissen, welche ihme wiederfah-ren, er sagte, daß man zu Zeiten ignoriren müsse, nemlich sich alsozu stellen. Dichos y hechos de don phil. 2. cap. 7. in solchen Vorfäl-len muß man Vorsichtigkeit brauchen und erkennen, was die Mei-nung des Stichelreder seye, und worauf er zielet. Wenn wir einemetwas darthun müssen, welches andern im Reden verdriessen, betrü-ben, erschröcken oder erzörnen soll, so ist rathsamer, daß die Redenauf einen zweyfachen Verstand und zweydeutigen Ausdruck gestelltsind (§. 2. 60.), nemlich, daß man sie auf zweyerley Art verstehen,und auslegen kan. Ja was Würde, Character und hohen Standein Staatsmann bey der Welt stehet; so befleisse er sich, jed-weden vor sich gerne kommen zu lassen, und keinem den Zu-gang durch Stolz oder Hoffart zu verweigeren; daß er nemlichleichte von allen kan angesprochen werden, und jedem Gehör gebe,sogar auch dem allergeringsten (§. 14. 35.). Dann alle diejenige,welche durch einen gewissen Trotz oder Hochmuth und Eitelkeit be-schwerlich sind anzusprechen, besitzen hierin einen grossen und tadel-haften Fehler, und die man wohl mit dem Nahmen Misanthroposoder