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Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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100Kluge und nützliche Staatskunst,nach Ordnung der Chronologie oder Zeitrechnung. Also soll manbillig die Zeit wohl anwenden; da ferners nichts lieblicher und ange-nehmer ist, als die Gedächtnuß oder Erinnerung der wohlangelegtenZeit, und da hingegen der Verlust) welcher durch Nachläßigkeit oderubeler Verschwendung derselben herkommt) der schändlichste ist, undallezeit frühe oder spat die allzuspäte Bereuung folget. Ja, wohlwahr, sagt der alte Weltweise Seneca: nemo annos, nemo totdies optimos restituea, nemo iterum te tibi reddet. sen. de bre-vitate vitae. cap. 9§. 80.Diese Rubriquen jenes klugen Weltmanns ist einem grossen Cri-terio unterworfen, wenn er spricht: nulli quidquam opere aut auxilio,servitioque praestet, nisi inde utilitatem percipiat, nihilque nisispe commodi, agendum, suscipiendum est. comp. polit. mor.art. 26.40. da dieselbe zum ersten der wahren Sittenlehre widerspricht.Allein diesen Spruch soll man so strictè nicht verstehen noch applici-ren, damit der Liebe des Nächsten kein Abbruch geschehe (§. 22. 72.).Es ist dieses wohl ein Satz, den alle intereßirte und Gewinnsüchtigezu folgen pflegen, und darum es bey ihnen heisset: quod melius sitaccipere, quam dare. Es ist sogar bey dem gemeinen Mann oderGepöbel, als auch unter allen Geitz- und Geldsüchtigen ein allge-meiner Spruch; da sie gewöhnlicher weis zu sagen pflegen: Werthut etwas umsonst? Niemand thut etwas umsonst u. s. w.also daß der Gewinn und das Interesse die eigentliche Triebfeder ist,welche die ganze Welt zu ihren Geschaften in Bewegung setzt (§. 17.).Dieser Spruch aber hat allezeit nur statt bey den Ungelehrten, Geitzigen,Gewinnsüchtigen und Einfältigen, denn bey gelehrten, ehrlichen undsittlichen Menschen kan er nicht allezeit angenommen werden, dennwie öfters erfordert es die Noth, oder die Ehre, das Ansehen, oderandere erhebliche Ursachen, daß man andern etwas umsonst und ohneBelohnung zugefallen thut, es seye eine Dienstleistung, Wohlthat,und