Kluge und nützliche Staatskunst,94zur Zeit des Glücks und Wohlfahrt etwas zu erspahren, vor dieje-nigen böse Zeiten, die nachfolgen können, denn während dem Wohl-ergehen finden sich Freunde und Verwandte gnug, aber im Unglück,Noth und Widerwartigkeit seynd sie sehr rar und theuer, wie diesesder lateinische Ausspruch wohl ausdrückt; infelicium nulli sunt affi-nes. Der arme Mann, spricht JUAN RUFO, ist allezeit in einemfremden Land. Ruf. apophtheg. 541. Darum ist es sehr vorsichtiggehandelt, in Zeit des Glücks sich zum Unglück vorzubereiten, nem-lich vor zu sorgen, daß man etwas [ohne Verübung des Geizes]vor die Zeit der Noth und im Fall eines unverhofften Accident er-spahrt habe, welches eine schöne Lehr vor alle unnützliche Verschwen-der und überflüßige Verzehrer ist. Denn kurz zu sagen, so ist es ei-ne grosse Thorheit, öfters auf seine gute Freunde (so gar öfters aufseine Verwandten) zu bauen und sich zu verlassen, indem die meistenFreundschaften der Welt, entweder erstens falsch, untreu und unbe-ständig, oder zweytens intereßirt und eigennützig sind. Darum eingrosser Theil aller Freundschaften der Welt durch das Interesse undEigennutz erhalten wird. Wie viele Freund gibt es ja nicht, mitwelchen so lang die Liebe, Treu und gute Freundschaft dauret, asman sie herrlich tractiret oder köstlich und reichlich beschenket, undwenn man endlich mit spendiren, mit Tractamenter oder Geschenkezu geben aufhöret; so höret auch die Freundschaft auf, und wofenman das Unglück hat, in eine Noth zu gerathen (*); so erfähret mingleich, wie wenig sie helfen und beyspringen werden.76.Es ist rathsam, sich für aufgeborgtem oder gelehntenGeld zu hüten; nemlich gleich einem Feind, wenn man dassebenitEst enim amicus secundum tempus & non permanebit in Die tribua-tionis. Et est amicus mensae & non permanebit in die necessitaisEscl. 6. Conseils de la Sagesse de Salom. art. 4. maxim. 6. 7.
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Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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