oder politische Maximen.95mit Beding, Interesse davon zu geben, gelehnet hat, weilen das In-teresse Tag und Nacht auflauft, ohne daß man manchmal einigenGewinn ehist davon gehebt. Es ist ferner rathsam, daß wenn manGeld lehnen muß, daß man solches nicht von intereßirten und gewinn-süchtigen lehne (§. 13. 53.), denn es ist gewiß, daß solches nicht ohnegrossen Schaden von ihnen wird erhalten werden, und daß sie darumofters von dir guten Gewinn verhoffen. Zweytens von hoffärtigen,ruhmredigen und Ehrgeizigen auch nicht, denn diese werden sich esöfters für eine Ehre rechnen, und solches in alle Welt verbreiten,und folglich den Credit, das Ansehen, Ruhm und Authorität dahervergeringeren. Von Bedürftigen aber Geld lehnen, ist durchausnicht rathsam, denn man stellt sich eben in die größte Gefahr, von sol-chen Leuten verunehret, verachtet und verschimpfet zu werden (§. 75.)ja wenn man nicht zu behöriger Zeit ihnen solches erlegt, so ist gewiß,daß man tausend Schimpfworte, Scheltworte, und Verweisworteempfangen wird, so gar, daß man auf allen Strassen beschryenwird, sonderlich bey dem gemeinen Gepöbel, welches ohne dem garkein Einsehen hat und keine Vernunft spühren läßt. (§. citat.)7Gleichwie wir ermahnet haben, daß man seine eigene Geheim-rüsse solle verborgen halten (§. 10.37.); also haben wir auch gesagt,daß ein Politicus die ihme von anderen anvertrauete geheime Sachenniemand solle offenbahren (§. 37.), denn es ist eben eine so scheusli-che als sträfliche Sach, und ein so verrätherisches als schädliches Ding,wenn man die ihme anvertrauete Heimlichkeiten nicht verschweiget,sondern anderen entdecket und kund thut. Aus der Historie könteman einen weitläuftigen Beweis davon führen. Was vor scharfeund strenge Gesätze haben nicht die alten Römer und Aegyptier gegendiejenigen gestellt, so die geheime Rathschläge, und andere das Re-giment und Staatswesen betreffende Heimlichkeiten offenbaren würden?dieweil derselbe nicht anders, als ein Verräther des Vatterlands an-zuſe⸗
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten